Teil II
'Shame On Me' war die erste Aufnahme unter Chet Atkin's Regie. Innerhalb kurzer Zeit wurde der Song ein Top Twenty Hit fuer Bobby - "aber die Leute mochten nur den Song, die hatten kein Interesse daran, wer ueberhaupt sang."
Wieder ging er zurueck nach Hollywood, arbeitete mit Cliffie Stone zusammen und kam nur noch fuer Plattenaufnahmen nach Nashville.
"Eines Tages fuhr ich mit meinem ersten eigenen Auto von Hollywood nach L.A. Ich hatte das Radio an und hoerte ploetzlich Billy Grammer's 'I Wanna Go Home'. Das Lied haute mich total um. Ich hatte nie ein richtiges Zuhause und konnte mich sofort mit diesem Lied identifizieren. Ich rief Chet an und erzaehlte ihm von dem Song. Kurze Zeit spaeter nahm ich ihn in Nashville auf.' 'Detroit City' (I Wanna Go Home) kletterte die Pop und Country Charts hinauf bis Platz Nr. 6 und Bobby Bare gewann seinen ersten Grammy Award fuer die beste Country Aufnahme in 1963.
"Dies war endlich der erste Song, der mir Identitaet gab, nun waren die Leute daran interessiert zu wissen wie der Saenger heisst." Auch Hedy West's '500 Miles Away From Home' hoerte er im Autoradio. Zuhause angekommen, konnte er sich jedoch nur noch an die Melodie erinnern. Doch er hatte eine Platte von Glen Campbell's Instrumentalfassung dieses Liedes und so schrieben er und Charlie Williams einen neuen Text dazu. Mittlerweile gehoert dieser Song schon zu den Klassikern der Country Musik.
Die erfolgreichen Songs rissen nicht mehr ab. 'Miller's Cave' und 'Four Strong Winds', das es bis auf Platz 3 schaffte, folgten bald darauf. Zu dieser Zeit wurde auch Warner Brothers auf Bobby Bare aufmerksam. Er sollte in einer TV-Serie 'No Time For Sergeants' die Hauptrolle uebernehmen. Waehrend die Verhandlungen darueber noch liefen, nahm er das Angebot an, in dem Film 'Distant Trumpet' einen Soldaten zu spielen, der wegen Desertierens unehrenhaft aus der Armee entlassen wird. "Wir drehten den Film fast 6 Wochen lang in Phoenix, Arizona, wo es schrecklich heiss war. Filme zu drehen ist recht langweilig, man sitzt die meiste Zeit herum und wartet, bis eine Szene abgedreht wird. Selbst den Hauptdarstellern geht das so; ich hatte ja nur eine Nebenrolle.
Meine Schauspielerei vergleiche ich mit 'Lassie' oder 'Trigger'; fuer einen Award wurde ich nie vorgeschlagen… - Ich ueberlegte, was ich wirklich wollte und kam zu dem Ergebnis, dass ich lieber an meiner Gitarre zupfen und gute Lieder singen wollte. Ausserdem hatte ich das Girl gefunden, das ich heiraten wollte. So lehnte ich die TV-Serie ab, siedelte ueber nach Nashville, heiratete und wurde Mitglied in der Grand Ole Opry 'in einem grossen Atemzug."
Er heiratete Jeannie Sterling, eine junge Saengerin, die er einst fuer seine Band engagiert hatte und adoptierte, Cari, das 3jaehrige Toechterchen aus Jeannie's erster Ehe. Die erste grosse RCA Country Tour nach Europa wurde 1964 gestartet. Zusammen mit Jim Reeves, Chet Atkins und den Anita Kerr Singer trat Bobby Bare vor einem begeisterten Publikum auf und nahm danach in Berlin bzw Nashville sechs deutsche Lieder auf, denen man heutzutage nur noch ein Laecheln zubilligen kann und die lediglich fuer den Sammler Wert haben.
1965 traf Bobby Bare in Phoenix, Arizona, im beruehmten JD's Club auf Waylon Jennings, der damals gerade versuchte, Fuss zu fassen. Bobby war daran interessiert ihm zu helfen, so rief er Chet Atkins an und bat Waylon bei einem grossen Label unter Vertrag zu nehmen.
"Es war eine aufregende Zeit in Nashville als Waylon kam. Man konnte spueren, dass eine Veraenderung in der Musik eintrat, aber zu dieser Zeit wusste man noch nicht, inwiefern sie sein wuerde. Fuer uns war es eine Musik, die in diese Zeit passte'".
Bobby Bare war mit Waylon Jennings und George Hamilton IV einer der ersten, die ihren Songs einen Folk Touch gaben, ohne dabei die Wurzeln der CM ausser acht zu lassen. So entstanden Alben wie 'Streets Of Baltimore' und 'Contstant Sorrow', die deutlich zur Folk Country Richtung zaehlen. Auch dass sich Bobby Bare als erster an Bob Dylan's 'Blowin' In The Wind' heranwagte, wurde - zuerst zoegernd - anerkannt. Wie so viele andere Nashville Kuenstler wurde auch Bobby Bare zu Duett-Aufnahmen herangezogen, wobei er mit Skeeter Davis ein so erfolgreiches 'Tunes For Two' Album aufnahm, dass RCA danach gleich mit Partnerinnen wie Norma Jean und Liz Anderson aufwartete. Alle folgenden, immer von Chet Atkins produzierten Alben, liessen Bobby Bare an der Spitze der Charts bleiben, auch wenn der Nr. 1 Hit noch versagt blieb.
Privates Glueck bescherte Jeannie: Am 28. Juni 1966 wurde der Stammhalter, Bobby Jr., geboren.
1967 folgte ein weiterer Europa Besuch, wo Bobby Bare auch durch Deutschland zusammen mit der englischen Gruppe 'The Hillsiders' als Band tourte und sie so gut befand, dass er sie nach Nashville zur Aufnahme des Albums 'The English Countryside' einlud.
Kurz vor dem Wechsel zu Mercury Records nahm Bobby Bare noch Tom T. Hall's 'Lincoln Park Inn' auf, das ihn wieder nach vorne auf Platz 4 brachte.
"Zu Mercury wechselte ich, da mein Vertrag mit RCA abgelaufen war und Jerry Kennedy bei Mercury neben Chet Atkins zu den besten Produzenten in der Stadt zaehlte." Die vier bei Mercury aufgenommenen Alben enthalten ueberwiegend Songs von Tom T. Hall und dem damals gerade in der Stadt eingetroffenen Kris Kristofferson, dem Bobby Bare somit verhalf, sich einen Namen zu machen.
Billy Joe Shaver war ein weiterer Songwriter, der bei Bobby Bare sein Glueck versuchte. "Er kam zu mir und sagte, dass er gute Songs habe. Ich sagte, well, dann leg' mir Deine Demos vor. Er meinte er habe keine. Ich sagte, bringe mir die Texte - er: Ich besitze keine, es ist alles in meinem Kopf. So nahm ich mir die Zeit, ihn anzuhoeren, und da es mir hervorragend gefiel, nahm ich ihn unter Vertrag. Shaver ist einer der schoepferischsten Songwriter die ich kenne".
Chet Atkins versuchte indessen, Bobby Bare wieder zurueck zu RCA zu holen. Es gelang ihm auch, nachdem er ihm anbot, sich doch selbst zu produzieren."Chet fragte mich, weshalb ich meine Alben nicht selbst produziere. Wir waren enge Freunde und er kannte mich und meine Faehigkeiten (ich lernte eine Menge von Chet), um zu wissen, dass ich im Studio nicht verrueckt werden und all' das Geld von RCA zum Fenster hinauswerfen wuerde. Ausserdem trat Chet vom Produzieren zurueck und mir gefiel es nicht, immer nach einem neuen Produzenten Ausschau halten zu muessen. Man war nie sicher, wen man als naechstes bekam."
Es folgte die erste Eigenproduktion. Und mit diesem neuen Trend, dem danach noch andere Kuenstler folgten, gewann Bobby Bare auch totale Kontrolle ueber seine Arbeit, was selbst heute nur wenigen Countrysaengern vorbehalten ist. Der Titelsong des ersten selbst produzierten Albums 'Ride Me Down Easy', geschrieben von Billy Joe Shaver, brachte Bare Top Ten Erfolg und Shaver die verdiente Anerkennung. Seine Songs wurden nun auch von anderen Saengern aufgenommen. Dann kam eine Zeit - um 1972 -, wo Bobby Bare zwar Singles in den Charts verbuchen konnte, aber "ich war so gelangweilt von den 'country' songs, die ich im Radio hoerte, dass ich meinem Hobby, dem Angelsport, fast professionell nachging, viel mit den Kindern spielte (Shannon Atkins wurde 1968 geboren) und nur so viel arbeitete, um mich ueber Wasser zu halten."
Er errichtete sein eigenes Label 'Lordbucket' und nahm Wayne Stewart und Don Bowman unter Vertrag, der den Song 'Hello DJ' aufnahm. "Mit dem Label wollte ich nur sehen, wie es ankam. Da war keine grosse Investition dahinter. Wir liessen nur einige Platten pressen."
DJ's hatten jedoch ihre helle Freude an diesem Song ueber einen Betrunkenen, der immer wieder versucht Ralph Emery anzurufen um zu einem Hit zu kommen. Jeannie Bare, die ihre Karierre nach der Heirat aufgegeben hatte, startete bei diesem Lied erstmals wieder ihre Studioarbeit als Background-Saengerin.
Obwohl Bobby Bare bis 1969 ca 200 Songs geschrieben hatte, nahm er wenige davon selbst auf Singles auf. Noch wenigere gelangten auf seine Alben, denn er wollte stets die Songwriter unterstuetzen, ihnen eine Chance geben, was er auch erreichte.
Der Ruf 'Songwriters best friend' war denn auch bald an ihn vergeben."Die Songwriter sind es, die die CM dirigieren. Wenn ich einen guten Song hoere, dann weiss ich, dass der Songwriter damit etwas ausdruecken will. Ich mache mir nicht sehr viele Gedanken darueber, weshalb mir ein Lied gefaellt. Ich versuche nicht, es zu analysieren, die Leute vor dem Radio tun das auch nicht."