Seidhr auf Deutsch

 

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(Übersetzung Birgit Knorr)

As promised, here are the German translations of the Hrafnar seith:  The journey down, the central part, the journey back. 

With warm regards,
Birgit

9.  Spae Reise

Alles, was du von draußen hörst
macht es dir leichter, nach innen zu schauen.

Du bist entspannt, friedlich und still, und ruhst auf der Erde.
Atme ein … und aus… ein… und aus
(bis 4 zählen ein, 2 halten, 4 aus, 2 halten)
laß die Sorgen der Menschenwelt an dir vorbeiziehen.
Du bist entspannt, friedlich, du sitzt in Geborgenheit.
Sicher wirst du vorwärts gehen, sicher wirst du wiederkehren.
Du wirst dich an alles erinnern, was du zu wissen brauchst.
Indem du dich entspannst, fühle wie die Erde dich hält.
Laß dein Bewußtsein nach unten sinken, nach innen,
tief in den Kern der Erde … nun ziehe es wieder herauf
Fülle dich mit ihrer Kraft …
Gehe nun aus deinem Körper.

Schaue nun mit deinem inneren Auge
einen Ort in der Natur, den du gut kennst.
Sieh den Boden zu deinen Füßen,
fühle die Oberfläche, bemerke die Pflanzen,
die dort wachsen,
merke dir, wie sie riechen und sich anfühlen.
Spüre die Luft auf deiner Haut,
höre alle Geräusche der Nacht.

Nun, indem du dich umschaust,
siehst du einen Pfad der hinweg führt--
folge ihm.
Auf beiden Seiten wachsen Büsche, die deine Kleidung streifen.
Indem du vorwärts gehst, werden sie immer größer.
Jetzt sind sie Bäume, wachsen dichter und dichter zusammen und höher,
bis sie sich als ein Bogen über dir schließen.
Finde deinen Weg vorwärts durch diesen Baumtunnel,
gehe im grünen wohlriechenden Schatten
alte Blätter rascheln sanft unter deinen Füßen.
Endlich siehst du einen Lichtkreis
als du näher kommst, siehst du eine weite Ebene,
bunt gesprenkelt mit Wiesen und Strom und Wald,
die Ebene von Midgard, die in dir liegt.
Ein großer Baum erhebt sich in der Mitte,
es ist Yggdrasil, die Achse aller Welten
so hoch, daß ihre Zweige den Himmel berühren,
so breit, daß du kaum um sie herumsehen kannst.

Drei große Wurzeln strecken sich in die Erde.
Unter der nächsten siehst du eine Öffnung--
die Wurzel glänzt und die Steine unter ihr
sind ausgetreten von den Schritten vieler Füße.
Gehe ruhig vorwärts, denn viele sind schon diesen Pfad gegangen.

Schreite unter der Wurzel hindurch--
ein sanftes Licht zeigt dir den Weg.
Nebelschwaden streifen über deinen Pfad von Niflheim.
Du kannst das Brodeln von Hvergelmir hören,
von dem alle Flüsse der Welten fließen.
Aber dein Weg führt dich weiter,
die Schatten von Svartalfheim verdunkeln deinen Blick,
aber du gehst hindurch.
Ostwärts und herunter gehst du,
vorbei an den Wurzeln der feuchten Berge von Jotunheim
wo die eisigen Flüsse fließen.
Im Schatten des Eisenwaldes heulen die wilden Wölfe.
Du kommst an den Strom, dessen bleiernes Wasser
das Klingen und Krachen und Prallen
der Waffen von all den Kriegen der Welt trägt.
Eine Brücke trägt dich darüber hinweg, und
herunter und herum, herunter und herum gehst du
durch die helle, heiße Luft, die von Muspelheim weht
herunter und herum, noch einmal, dein Weg führt westwärts
Durch die verkohlten Bäume von Myrkheim reist du,
du durchschreitest einen Fluß, mit rotem Blut bis an deine Knie.

Die Wasser der Donnerflut fallen in Sprühwolken
mit Regenbogenschein wo die Bifröst-Brücke sich herunter wölbt.
Eine Wurzel des Baumes beschützt einen tiefen See,
umgeben von den Raterstühlen der Götter.
Trotzdem fahren wir weiter, herunter und herum,
zurück zum Norden, wo der Pfad nach unten stürzt.
Unter dir erhebt sich ein Turm aus verwittertem Stein.
Vor seine Tür tritt eine Maid von riesiger Gestalt.
Sie ist in voller Rüstung gekleidet, und trägt einen Speer.
Modhgudh wird sie genannt, Hüterin des Weges.
Die Speerspitze senkt sich, und du mußt anhalten.
"Warum bist du hierher gekommen?" fordert sie.
"Was suchst du in diesen Tiefen?"
Sie wartet.  In deinem Herzen findest du eine Antwort.

Als du geantwortet hast, schwingt sie den Speer zur Seite.
Gehe weiter auf deinem Pfad.
Vor dir gähnt ein Abgrund, und von seinen schattigen Tiefen
tönt das Rauschen von mächtigen Wassern; es ist der Gjöll-Fluß.
Nur eine Brücke wölbt sich herüber,
so leuchtend, als sei sie mit Gold gepflastert.
Für den, der mutig kommt, ist sie breit und schön,
aber der Furchtvolle findet sie scharf wie die Schneide eines Schwertes.
Gehe schnell hinüber; dein eigenes Verlangen treibt dich,
und komm endlich sicher an der anderen Seite an.

Eine hohe Mauer wölbt sich vor dir zu beiden Seiten.
Sie beschützt Hellas Land.  Bei ihr wächst der grüne Schierling.
Dahinter kannst du die Zweige von Apfelbäumen sehen;
auf der anderen Seite kräht laut ein Hahn.
Du gehst herum und herum, zu dem Tor im Osten.
Hoch sind die Pfosten, und mächtig die Hölzer,
beschlagen mit Eisen und beschnitzt mit mächtigen Runen.
Hier müssen wir warten - alle bis auf eine -
die Seherin, die durch das Tor schreitet, um die Wahrheit zu suchen.

Spae 10 G

Wir haben den Fluss hinter uns,
die Menschen warten,
das Tor des Wissens gähnt vor uns.
Wer wagt es, in das wartende Dunkel zu dringen?
We will den Weg der Wahrheit suchen?

[Seherin:  Ich will es.]

Heil deinem Gehen!  Heil deinem Kommen!
Alles heil dir, hin und her!

Spae 11 G

Seherin, den Weg durch die Welten gewinn,
weiter und schneller und tiefer hinab,
fahr weiter, immer weiter, immer fort.

Spae 12 G

[Name des Sprechers] heisse ich,
durch Welten wandere ich,
suche die Seherin, die ich nun rufe:
bei Blut und Bein, bei Stock und Stein,
bei Flut und Zeit, bei Wassern weit,
bei Wind und Hauch, bei Feuer's Rauch,
höre meinen Ruf!

[Name der Seherin], [Name der Seherin], Weise, sprich,
von dunklen Tiefen, wo du träumst,
hörst du mich?  [Antwort]
Sag an, was siehst du?

[Beschreibung]

Die Worte sind gesprochen,
die Seherin wartet,
ist hier jemand mit einer Frage?  - *Sprich.
[Frage]

Sage, o Seherin, bis du alles gesagt,
antworte dem Fragenden, bis alles er weiss.
[Antwort]

Dieses weisst du nun, willst du noch mehr?
[Ja - Sprich] /
[Nein -] Gut war die Frage und gut die Antwort.
Ist hier noch jemand mit einer Frage?
[Zurück zu *]

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[Am Ende der Fragen]

Das Gesicht verblasst,
die Stimme verstummt.
Komm zu uns, du Weise,
wo wir dich erwarten.

13.  Spae Reise - Zurück

Nun ist es Zeit, zurückzukehren.  Wir gehen gemeinsam aufwärts.
Schnell und leicht eilen wir vorwärts, an der Mauer vorbei,
vom Osten zum Norden, vom Tor zur Brücke.
Nun liegt sie vor uns, breit und schön.
Zusammen überschreiten wir sie und gehen den Weg bergan,
herauf und herum, an Modhgudh's Turm vorbei.
Herauf und herum, vom Norden zum Westen,
entlang der Urdhquelle und den Raterstühlen der Götter,
Noch einmal herum zum Süden reisen wir,
und streifen die heiße helle Luft von Muspelheim.
Aufwärts und ostwärts entlang den eisigen Strömen von Jotunheim,
Nach Norden durch die Schatten von Svartalfheim,
und den Nebeln von Niflheim,
heraus unter der Wurzel des Baumes zu der Ebene von Midgard.
Der Baum wird größer und größer je näher wir kommen,
er ist deine Mitte, die Mitte aller Welten.
Von hier aus kannst du den Pfad sehen,
der zu dem Wald zwischen den Welten führt.
Folge dem Pfad,
lass seine Schatten dich umhüllen.
Schnell und leicht eile den Pfad hinauf
durch den Tunnel der Bäume.
Jetzt stehen die Bäume weiter auseinander.
Du kannst den Himmel über dir sehen.
Bald schwinden die Büsche, die deine Kleidung streifen.

Das Tor zu dem bekannten Ort ist vor dir.
Gehe hindurch und sinke herab auf den dir bekannten Boden.
Jetzt wird die Erde dein fester Grund,
der Stuhl hält dich aufrecht,
die Luft des Raumes streichelt deine Haut.
Atme ein, und aus, und ein, und wieder aus.
Seufze und strecke dich, kehre in deinen Körper zurück.
Öffne deine Augen.
Du bist wieder hier.


 

Created by Chandonn and Jordsvin

all works used by permission of the authors

last modified 05/28/2004