Freitag, 27. März 2009

Kaffee und Schafe

Neulich war ein Artikel in der Zeitung über die Plastikdeckel, die hier - und wahrscheinlich immer häufiger auch in Deutschland auf die Papierbecher für den Kaffee kommen. Eigentlich nicht einen ganzen Artikel wert; es sei denn man liest eine Fachzeitschrift der Plastikindustrie oder der Kaffeebranche. Es war aber doch sehr interessant zu lesen, dass Leute tatsächlich sehr genaue Meinungen zu ihren Kaffeebecherdeckeln haben. Eine Frau berichtete zum Beispiel, dass sie bei Dunkin'Donuts immer einen großen Kaffee bestellt weil auf den großen Kaffeebecher der halbkugelförmige Deckel kommt, der anscheinend für den Genuß eines Dunkin'Donuts Kaffees essentiell ist. Ich muß jetzt gestehen, dass ich noch nie einen Dunkin'Donuts Kaffee getrunken habe, ob mit oder ohne halbkugelförmigem Deckel, und deswegen nicht sagen kann, ob das wirklich einen Unterschied macht. Wir haben in San Francisco leider auch gar keinen Dunkin'Donuts sondern nur Happy Donut, sonst hätte ich, der journalistischen Integrität wegen, natürlich einen Selbstversuch unternommen. Ein anderer berichtete, dass er den Kaffee einer anderen Kette komplett vermeidet, da ihm die Deckel da zu laprig sind. Ich finde ja immer nur, dass der Kaffee aus dem Pappbecher nach Pappe schmeckt genauso wie das Bier aus der Dose immer nach Dose schmeckt. Dass Leute so genau wissen was sie wollen, fasziniert mich ja schon seit langem. Und warum scheinen die Amerikaner und noch viel mehr die Kalifornier so viel besser zu wissen was sie wollen? Das Salatdressing in einem extra Schüsselchen, keine Kartoffeln im Kartoffelcurry sondern lieber Zucchini (das habe ich tatsächlich in einem Thairestaurant in Sonoma gehört), den Bagel nur ganz leicht getoastet und ein kleines bisschen Frischkäse, ich könnte endlose Beispiele aufzählen. Sind wir Deutschen da zu lasch oder entscheidungsunfreudig? Letztens fragte mich eine neue Barista in unserem Stammcafe, ob ich meinen Latte lieber wet oder dry hätte. Ich hatte nur eine wage Vorstellung was ein wet oder dry Latte ist und konnte beim besten Willen keine Vorliebe für die eine oder andere Version in mir finden. Tja keine Ahnung musste ich da gestehen. Sie hat dann ganz freundlich vorgeschlagen, dass sie mir dieses mal einen wet Latte macht und das nächste mal einen dry und ich ihr dann sagen könnte, welchen ich besser finde. Gut, haben wir dann so gemacht, ich muß aber gestehen, dass ich es auch danach immer noch nicht wusste. Kaffee ist nicht unbedingt gleich Kaffee, aber solange der Kaffee nicht wie Spülwasser schmeckt, ist es mir ziemlich wurscht ob er dry oder wet ist. Habe ich der freundlichem Barista aber nicht gesagt, sondern nur gemeint der Latte wäre klasse und sie solle ihn einfach in Zukunft weiter so machen. Ob das aber wet oder dry ist, kann ich leider nicht sagen.

So kann man eben immer wieder neue Sachen über sich selbst herausfinden. Ich habe neulich neben meiner Erkenntnis, dass ich unfähig oder unwillig bin in Sachen Kaffeevorlieben eine Entscheidung zu treffen auch noch herausgefunden, dass ich nicht Schafe zählen kann. Nicht echte Schafe auf der Weide sondern die Schäfchen, die man der Volksweisheit nach zählen soll, wenn man nicht schlafen kann. Das passiert mir zum Glück nur sehr selten, sonst hätte ich das bestimmt früher schön mal festgestellt. Habe ich aber nicht und so lag ich neulich einmal im Bett, konnte nicht schlafen und dachte mir, dass ich es ja mal mit Schäfchenzählen versuchen könnte. Nichts einfacher als das, man liegt im Bett und zählt die Schäfchen, die vor dem inneren Auge über den Zaun springen. Ja, von wegen einfach. Ich denke Schäfchen, sehe aber vor meinem inneren Auge alles mögliche nur keine Schafe. Ihr sagt jetzt vielleicht, dass es an mangelnder Vorstellungskraft liegt. Aber bei anderen Sachen - hier habe ich anders als beim Dunkin'Donuts Kaffee nämlich nicht nur einen sondern gleich mehrere Selbstversuche unternommen - funktioniert das einwandfrei. Ich denke Pferd und sehe ein Pferd, ich denke Mohrrübe und sehe Mohrrübe, ich denke Frosch und sehe Frosch, nur wenn ich Schaf denke sehe ich alles mögliche nur keine Schafe. Im seltenem Fall, dass ich es doch schaffe ein Schaf zu sehen, ist es nur für einen Augenblick und auf keinen Fall lange genug um es über einen Zaun springen zu lassen. Deswegen hilft das Schäfchenzählen bei mir überhaupt nicht, weil ich mich so konzentrieren muß, dass ich wieder hellwach werde. Obwohl, ein paarmal bin ich, glaube ich, aus reiner Frustration eingeschlafen. Vielleicht ist das ja das Geheimnis des Schäfchenzählens. Wenn sich unter euch erfahrene Schäfchenzähler befinden, könnt ihr mich ja in dieser Hinsicht ein bisschen aufklären.

Labels: , , ,

Freitag, 20. Februar 2009

Vista und Taiwan

Unser Urlaub in Taiwan liegt ja eigentlich erst 1 Monat zurück aber es fühlt sich an, als ob wir vor Jahren dort waren. Trotzdem wollte ich euch natürlich von unserem Urlaub berichten. Und eigentlich wollte ich das gleich nach unserer Rückkehr tun, aber plötzliche Computererschöpfung machte sich breit (wahrscheinlich eine Kombination von Jetlag und Windows Vista) und ließ sich bis jetzt nicht abschütteln.

Deswegen beschwere ich mich jetzt, bevor ich mich an das erfreuliche Thema Taiwan mache, erst einmal über meinen Computer. Mein alter Laptop, der mir während meines Studiums gut gedient hat, wurde vor 2 Jahren immer langsamer und langsamer und ich habe, da ich einige freiberufliche Projekte hatte und daher auch genug Geld da war, beschlossen, mir einen neuen zu genehmigen. Der alte Laptop war Toshiba und da ich damit sehr zufrieden war, habe ich ein neues Model der gleichen Marke erstanden. Kam auch bald, sah wunderschön aus, hatte nur einen Makel: Windows Vista. Wie schrecklich das sei, hatte ich schon in mehreren Artikeln gelesen. Aber ich, optimistisch (oder blauäugig), dachte, dass Vista für jemanden wie mich, die ihren Computer wie eine bessere Schreibmaschine benützt, kein grosses Problem sein würde. Oh, jugendlicher Übermut, wie falsch lag ich da! Mein neuer Computer ist langsam wie eine Schnecke, die Soundkarte verabschiedet sich ab und zu mal, das mitgelieferte DVD Program spielt meine DVDs nur manchmal und das Betriebssystem behandelt mich wie eine Dreijährige (Willst du das wirklich machen? Bist du dir da auch ganz sicher? Soll ich dieses Program wirklich starten? Endlos geht das so.) Dass eine Firma meint sich so ein Produkt erlauben zu können, ist wirklich eine Frechheit. Ich war schon kurz davor, einfach alles zu löschen und Windows XP zu installieren, aber eine Recherche im Internet hat dutzende von Horrorstories von Leuten gefunden, die genau das probiert haben und an nicht vorhandenen Treibern und anderen Problemen verzweifelt sind. Mein Schwiegervater hatte das gleiche Problem und ist zu Ubuntu übergewechselt, aber dafür müsste ich Photoshop und einige andere Programme aufgeben, DVDs sind da angeblich immer noch ein Problem und die richtigen Treiber sind auch nicht garantiert. In letzter Zeit schaue ich immer sehnsüchtig die putzigen Apple Laptops im Schaufenster des Apple Stores an, aber das wäre wirklich idiotisch, weil ich ja einen neuen Laptop habe, der nur nicht so funktioniert wie ich das gerne hätte. Jetzt hoffe ich, wie viele andere Vista Geschädigte, dass Microsoft wenigstens soweit zu ihren Fehlern steht, dass sie Vista Benutzern ein Upgrade zu ihrem neuen Betriebssystem, das angeblich bald auf den Markt kommen soll und angeblich viele der Fehler und Probleme von Vista korrigiert, umsonst oder zumindest sehr billig anbietet. Aber so richtig glauben kann ich das nicht, wenn man das Verhalten von Microsoft in der Vergangenheit betrachtet.

Aber genug von meinem Computer...

So weit bin ich das letzte Mal im Cafe gekommen bevor sich mein Laptop aus mir unerfindlichen Gründen verabschiedet hat. Aber ich habe gute Nachrichten: Am Montag war Anselms Computerfachmann da und hat sich den armen Laptop mal angeschaut. Ein mit Vista konkurierendes Antivirusprogram war angeblich Schuld an der Misere. Jetzt habe ich ein anderes und der Computer ist wesentlich schneller – wenn auch immer noch langsamer als ein XP Computer wäre - und ärgert mich nicht mehr mit ständigen Fragen. Wenn jetzt noch der DVD Spieler beschließt, dass man doch ab und zu auch mal eine deutsche DVD anschauen könnte (die mag er nämlich trotz korrektem Ländercode nicht) dann ist hier alles in Butter.

Jetzt aber wirklich genug von Computern; nicht dass ihr euch noch total langweilt. Unser Urlaub in Taiwan ist da schon viel interessanter – finde ich zumindest. Wenn ihr lieber mehr Computergeschichten möchtet, müßt ihr es mir nur sagen. In der Bücherei gibt es davon genug. Wie ich in der letzten Kolumne glaube ich schon erwähnt habe, war es für uns beide seit langer Zeit der erste Besuch in Taiwan und wir waren beide gespannt, ob wir überhaupt noch etwas erkennen würden. Wir kamen spät am Abend am Flughafen an und fuhren im Dunkeln zu unserem Hotel. Wir haben beide eifrig aus dem Fenster geschaut und versucht uns zu orientieren, waren aber komplett erfolglos. Am nächsten Morgen ging es etwas besser. Wir sind einfach von Hotel aus los gelaufen und sobald wir in der Nähe des Hauptbahnhofs waren, kamen die Erinnerungen zurück. Gut, die Straße vor dem Bahnhof war nicht mehr eine riesige Baustelle, aber der Bahnhof und die Gebäude in der Gegend waren noch erkennbar. Ebenso der Smog, die endlosen Vespas und die Busse. Ich hatte eigentlich gedacht, dass es jetzt wo die Ubahn funktioniert und nicht mehr, wie bei den Testläufen vor 15 Jahren, in den Kurven Feuer fängt, weniger Busse gibt, aber das scheint nicht der Fall zu sein. Wir fanden uns gleich wieder ganz gut zurecht und abgesehen von den ersten paar Tagen war das Wetter auch nicht schlecht. Die meiste Zeit haben wir damit verbracht, in Taipei herumzulaufen und zu essen. Das Essen war das, was mir am meisten gefehlt hat, vor allem das Essen, das auf der Strasse an kleinen Ständen verkauft wird. Meistens hatten wir am Abend fast gar keinen Hunger mehr, weil wir tagsüber schon so viel gegessen haben. Aber abends ist eigentlich die beste Zeit zum Essen, weil die Nachtmärkte und viele Restaurants erst am Abend aufmachen. Da verwandeln sich tagsüber uninteressan aussehende Gegenden in glitzernde Einkaufswunderländer voll mit Ständen an denen man alles erdenkliche kaufen kann, vielen, vielen Leuten und interessanten und leckeren Essen. Deswegen haben wir natürlich trotzdem noch was gegessen und haben dann im Hotel unsere dicken Bäuche bewundert. Gut dass wir am nächsten Tag wieder den ganzen Tag herum gelaufen sind, sonst hätte man uns am Ende unseres Urlaubs rollen können. Abgesehen von Taipei waren wir noch im Süden in Tainan. Tainan ist die alte Hauptstadt und hat an fast jeder Straßenecke einen oder manchmal auch mehrere Tempel. In den Tempeln war immer sehr viel los, weil wir kurz vor dem chinesischen Neujahr in Taiwan waren und man da in den Tempel muss um Glück fürs neue Jahr zu garantieren. Nach Tainan waren wir in Taizhong und Lugang, ebenfalls eine für ihre Temple berühmte Stadt, und dann ging es wieder zurück nach Taipei. So richtig touristische Sachen haben wir eigentlich wenig gemacht und wenn ich jetzt unseren Urlaub beschreibe, klingt es fast ein bisschen lasch. Das war aber – zumindest für uns – nicht der Fall. Unser Hauptziel war ja ein paar der Orte zu sehen, die uns damals gut gefallen haben, Freunde zu besuchen und ein paar Sachen zu machen, die wir damals machen wollten, aber irgendwie nie die Zeit dazu gefunden haben. Und das haben wir ganz gut geschafft. Es war schon recht erstaunlich, wie wenig sich manche Gegenden verändert haben und wie komplett verändert manche Gegenden waren. Da hatte ich fast das Gefühl, dass wir anstelle mit dem Flugzeug mit einer Zeitmaschine gereist sind – manchmal in die Vergangenheit und manchmal in die Zukunft. Vor allem in den riesigen Kaufhäusern – und der Hertie in München ist im Vergleich zum sich über drei Blocks und 11 Stockwerke erstreckenden Mitsukoshi ein Kramladen - kam ich mir wie ein Landei vor. Ich bin ja kein richtiger Shopper und mache schon nach einem halben Stockwerk schlapp. Nur in den Buchläden – die ebenfalls riesig sind – halte ich besser durch, aber jetzt wo ich in der Chinatown Bücherei viele neue chinesische Bücher ausleihen kann (oder könnte, denn meistens lese ich doch englische Bücher weil ich zu faul bin), habe ich meistens nur geschaut und weniger gekauft. Wir wären gerne noch ein bisschen in die Berge gefahren um ein bisschen zu wandern, aber das hätten wir nur geschafft, wenn wir uns nicht mit Freunden getroffen hätten und das war uns dann doch wichtiger. War auch eine gute Entscheidung, denn das Wetter war doch recht kalt und bei unserer einzigen längeren Wanderung im Yangmingshan Nationalpark in Taipei waren die Temperaturen auf dem Gipfel fast am Gefrierpunkt. Wir waren so verfroren (San Francisco Winterkleidung eben), dass uns auch die Schwefeldünste auf dem Rückweg nicht mehr aufgewärmt haben und wir erst über einer dampfenden Schale Shaoxiancao wieder aufgetaut sind.

Naja, jetzt sind wir auf jeden Fall wieder zu Hause und planen unseren nächsten Urlaub. Ja, die Urlaubslotterie der Bücherei hat mir einen dreiwöchigen Urlaub genehmigt und Mitte Juni ist es mal wieder Zeit für einen Besuch in Deutschland. Wir wollen erst eine Woche irgendwo in Europa (bis jetzt sind Rom oder Amsterdam im Gespräch) Urlaub machen und sind dann 2 Wochen in Wulfertshausen. Ich melde mich, sobald wir genauere Pläne habe, damit ihr entweder Platz für uns in euren Terminkalendern machen oder noch schnell eine “unaufschiebbare Geschäftsreise” für diese Zeit planen könnt.

Labels: , ,

Mittwoch, 31. Dezember 2008

Zwischen den Jahren

Tja, zwischen den Jahren und bevor wir uns auf den Weg nach Taiwan machen wollte ich mich schon noch mal melden. Ich hoffe, ihr hattet alle ein schönes Weihnachtsfest und feiert schön Sylvester. Wir hatten an Weihnachten viel Spaß mit Anselms Schwester und ihren Kindern. Wir waren alle bei Anselms Eltern, haben zusammen gekocht und Malefiz gespielt. Sehr unterhaltsam! Die Bücherei hat leider gleich am Freitag nach Weihnachten wieder aufgemacht – kein 2. Weihnachtsfeiertag oder Boxing Day in den USA – und aus irgendeinem Grund waren viele Leute ganz besonders grätzig oder nervig. Naja, bei der Wirtschaftslage ist das ja auch verstandlich - bloß meine Schuld ist das ja nun auch nicht und wo kriegt man so viel umsonst wie in der Bücherei? Am Samstag war sogar ein Artikel über uns in der Zeitung. Im Artikel ging es hauptsächlich um die Zentralbibliothek und darum, dass jetzt mehr Leute die Bücherei benutzen um DVDs auszuleihen und Hilfe bei der Arbeitssuche zu kriegen. Interessant daran war auch, dass in den Top 5 Listen der am meisten ausgeliehenen Bücher und DVDs einige chinesische Titel waren, aber keine spanischen. Falls ihr den Artikel lesen wollt, hier der Link: http://www.sfgate.com/cgi-bin/article.cgi?f=/c/a/2008/12/27/BA4814U7KK.DTL Dass mehr Leute in die Bücherei gehen, merke ich in Chinatown allerdings nicht unbedingt, weil bei uns sowieso immer viel los ist.


Neulich saß ich in der U-bahn und habe Schuhe gezeichnet und da ist mir aufgefallen, dass viele chinesische alte Damen die gleichen schwarzen Schnürschuhe tragen. Natürlich gibt es auch welche, die diese Schuhe in beige haben und andere, die ganz hippe Turnschuhe tragen, aber die schwarzen Schnürschuhe sind eindeutig die Favoriten. Jetzt muß ich nur noch herausfinden, wo man diese Schuhe kaufen kann und ich kann mich endlich in Chinatown voll anpassen. Was man in der U-bahn beobachten kann ist sowieso hochinteressant. Am meisten fasziniert mich da immer das Schminken. Von den tausenden an Kosmetikprodukten, die es zu kaufen gibt, benutze ich ja nur einen geringen Bruchteil und den auch nur sporadisch und äußerst laienhaft. Deswegen muß ich mich immer sehr beherrschen, damit ich die Damen, die mit voller Schminkausrüstung in der U-bahn am Werk sind, nicht zu offensichtlich anstarre. Besonders faszinierend finde ich dabei immer Wimperntusche und Wimpernzange. Wimperntusche benutze ich vielleicht 2 Mal im Jahr und eine Wimpernzange habe ich noch nie benutzt. Schon allein deswegen finde ich das immer sehr interessant aber was mich noch mehr fasziniert ist, dass es sich bei beiden ja um recht harte und spitzige Dinge handelt, die in einer U-bahn wie der in San Francisco, die zu plötzlichen Vollbremsungen neigt, durchaus gefährlich sein können. Vor allem die Wimpernzangen, die meiner Meinung nach sowieso aussehen als ob sie zum Entfernen von Augäpfeln und nicht zum Biegen von Wimpern dienen, würde ich in der ubahn nicht in die Nähe meiner Augen lassen. Aber andere Leute haben anscheinend keinerlei derartige Bedenken und man sieht Wimperntusche und Wimpernzange nach Lippenstiften am häufigsten in der U-bahn. Der Gedanke ohne getuschte und gebogene Wimpern in der Arbeit aufzutauchen ist anscheinend angsteinflößender als der an eine im Augapfel feststeckende Wimperntuschenbürste.

Ist das Schminken in der U-bahn eher interessant und vielleicht sogar lehrreich, finde ich dagegen das Kämmen, Bürsten und vor allem Nagelschneiden wirklich eklig. Aber auch da bin ich anscheinend in der Minderheit, denn die Anzahl der Leute, die in der vollen U-bahn auf einmal einen Nagelknipser hervorziegen und ihre abgeschnittenen Nägel unter die Leute schnipsen, ist fast so groß wie die der Wimperntuscher und -bieger. Manchmal will ich ja echt was sagen, vor allem wenn besagte Person direkt neben mir sitzt, aber da man ja nie weiß, wie Leute reagieren – vor allem in San Francisco, – habe ich mich bis jetzt immer beherrscht.

Ach ja, zum Thema wozu die Bücherei doch alles gut ist, kann ich seit neuestem auch Heiratsvermittlung rechnen. Neulich kam nämlich eine Büchereibenutzerin - und noch nicht mal eine von den sympathischen - zu mir und fragte mich, wie alt ich denn wäre. Ich habe ihr natürlich erklärt, dass das Beantworten von derartigen Fragen nicht zu meinen Aufgaben gehört. Daraufhin hat sie mich gefragt, ob ich 29 bin. Ich habe verneint und sie hat gefragt, ob ich 41 bin. Ich habe wieder verneint und sie daran erinnert, dass ich derartig persönliche Fragen nicht beantworte. Daraufhin hat sie gemeint, sie frage ja bloß und sie hätte zwei Brüder. Und da war mir auf einmal klar was der Zweck von dem Ganzen war: ganz offensichtlich sucht sie Ehefrauen für ihre Brüder und nach dem chinesischen Horoskop paßt am besten eine Frau die im Jahr der Ziege geboren ist. So ein Pech aber auch dass ich erstens schon verheiratet und zweitens ein Schwein bin, sonst hätte ich da vielleicht einen guten Fang machen können. Oder auch nicht, denn wer schickt schon seine Schwester in die Bücherei auf Ehefrauensuche?


Tja beim Thema Schwein belasse ich es dann auch, wünsche euch allen einen guten Rutsch und viel Schwein im neuen Jahr. Ich melde mich dann nächstes Jahr wieder, wenn wir zurück aus Taiwan sind.

Mittwoch, 29. Oktober 2008

McPain


Und schon wieder eine Meldung aus San Francisco. Ich kann im Moment ja nur sagen, wie froh ich bin, nicht amerikanische Staatsbürgerin zu sein und nicht einmal im theoretischsten aller theoretischen Fälle Sarah Palin als meine gewählte Vizepräsidentin zu erwägen. Obwohl, wenn ich amerikanische Staatsbürgerin wäre, könnte ich natürlich meinen Teil dazu beitragen, dass sie nicht gewählt wird. Dazu müssten wir allerdings in einen der sogenannten Swing States umziehen, denn hier in Kalifornien haben sie sowieso keine Chance und meine eine Stimme würde nicht viel ausmachen. Da ich aber frühestens nächstes Jahr meine Staatsbürgerschaft beantragen kann, kann ich nur die Daumen drücken und hoffen, dass die Wahl gut ausgeht. Geholfen hat das vor 4 bzw. 8 Jahren zwar nicht aber, wie man hier sagt third time´s the charm.

Aber genug von Politik. Meine Eltern kommen zu Besuch btw. wir treffen uns erst mal in San Diego und da dann schon bald der Thanksgiving und Weihnachstsstress beginnt, dachte ich mir, dass ich unbedingt die Gelegenheit nützen muss um mich mal wieder zu melden. Außerdem kann ich euch dann auch gleich noch ganz stolz von meiner ersten Ausstellung berichten. Unsere Zentralbibliothek hat eine Angestelltengallerie, wo also Angestellte der Bücherei ihre Werke ausstellen können. Und da stelle ich ab heute einige meiner Alphabetbilder aus. Heute morgen war ich da und habe alles aufgehängt – eigentlich hatte ich gedacht, dass mir dabei jemand hilft, habe aber doch alles ganz alleine gemacht – und bin ganz zufrieden. Ich habe noch keine Photos, weil die Schilder noch nicht fertig sind. Wenn ich welche habe, schicke ich sie noch nach. Jetzt bin ich erst mal gespannt auf die Reaktionen meiner Kollegen. Verkaufen werde ich bei dieser Ausstellung wohl nichts und eigentlich will ich auch keines von meinen Bildern wirklich hergeben. Ich habe keine Emailaddresse oder Telefonnummer angegeben, da die Zentralbibliothek auch die Zentrale der gestören, unangenehmen und gefährlichen Büchereibenutzer ist und ich keine Lust habe, von diesen Leuten Emails oder Anrufe zu erhalten.

Hier noch ein Nachtrag zur eigenartigen Zeitungsanzeige vom letzten Mal. Ich bin mir ziemlich sicher, dass dieses Haus in der Absalom Strasse zu finden ist; wahrscheinlich gleich neben dem Safe Place Research Project. Danach hat nämlich jetzt schon ein paar Mal eine Frau in der Bücherei gefragt. Das Problem dabei ist nur, dass diese Strasse und dieses Projekt nicht existieren, was die jeweilige Bibliothekarin natürlich erst nach einer Weile herausfindet nachdem sämtliche Nachschlagewerke und Internetquellen zu Rate gezogen wurden. Unsere Theorie ist, dass es aus irgendeinem Science Fiction Film kommt, wir konnten aber bis jetzt noch nicht herausfinden aus welchem.

Tja, so weit bin ich gekommen bevor meine Eltern angekommen sind und dann war ich natürlich zu beschäftigt zum Email schreiben. Aber jetzt sind sie – leider – wieder weg und ich habe ein bisschen mehr Zeit bevor der Feiertagsstress, der hier ja mit Thanksgiving etwas früher anfängt als in Deutschland, losgeht.

Inzwischen ist ja alles noch für Halloween dekoriert, aber am Samstag ist dann ganz plötzlich alles weihnachtlich mit ein paar Herbstblatt, Kürbis und Truthahn Dekorationen für Thanksgiving. Aber von derartigen Dekorationen mal abgesehen ist Thanksgiving der unkommerziellste Feiertag in Amerika. Obwohl, so ganz stimmt das nicht, denn der Tag nach Thanksgiving ist der größte Einkaufstag in Amerika. Alle Geschäfte haben Thanksgiving Sales und die Familien stürzen sich, nach einem Tag gefüllt mit Familientreffen und Truthahnvöllerei, in den Einkaufswahn. Anselm und ich vermeiden das jedes Jahr, auch wenn uns dabei gute Deals durch die Lappen gehen (die man aber meistens sowieso nur kriegt wenn man ab 4 Uhr morgens vor dem Laden Schlange steht und dann beim Einfall der Horden nicht zertrampelt wird). Apropos zertrampelt: Wir haben in unserer Bücherei ein paar Mal im Jahr einen 4-wöchigen Computerkurs für Senioren in Chinesisch. Weil meine Kollegin, die diesen Kurs hält, für mehrere Monate in Hong Kong war, war die Aufregung groß, als wir für Dezember einen Kurs angekündigt haben. Und letzten Mittwoch, dem ersten Tag an dem man sich für den Kurs einschreiben konnte, kam es doch tatsächlich zu Handgemengen unter den Senioren, die einen der 10 Plätze im Kurs ergattern wollten. Ich war an dem Tag nicht in der Bibliothek, kann also nur aus zweiter Hand berichten, aber wenn man schon mal die Senioren beim Einkaufen in Chinatown gesehen hat ist es nicht überraschend. Naja, hoffentlich gibt sich das wieder, sonst müssen wir beim nächsten Mal unsere Security Leute in Bereitschaft halten.

Also, das wäre es mal wieder. Drückt uns (und der ganzen Welt) für nächste Woche die Daumen!

Liebe Grüße!

Labels:

Donnerstag, 28. August 2008

Vom Unkrautjäten

Und schon wieder sind ein paar Monate vergangen... Aber immer passiert eben auch nicht was und bei mir ist in letzter Zeit ausser Arbeit wirklich nicht viel passiert. Obwohl, in der Arbeit passiert natürlich schon immer was. Das ist das Gute an der Arbeit in der Bücherei; man kann ein total langweiliges Leben habe und hat trotzdem immer was zu erzählen. Was ich im Moment gerne hätte, wäre Urlaub, aber das ist leider nicht drin. Den hätte ich im Januar oder so beantragen müssen und so weit im Voraus konnte ich das nicht entscheiden. Ich habe aber aus meinen Fehlern gelernt und habe im Juli schon mal Urlaub im Januar und März beantragt. Den habe ich sogar gekriegt, obwohl ich in der Hackordnung – genannt seniority list – ganz unten stehe. Aber nicht mehr, denn wir haben seit Anfang August eine neue Bibliothekarin! Das ist das Schöne (oder Unheimliche?) an so bürokratischen Organisationen; man muss nur lange genug dabei bleiben und irgendwann ist man ganz oben, egal ob man hart arbeitet oder nicht. Aber so schlimm ist est nicht. Im Oktober kriege ich auch 2 Tage frei und mit den ganzen Feiertagen, die da noch kommen, halte ich es schon bis Januar aus. Da wollen Anselm und ich nämlich nach Taiwan. Ich bin schon sehr gespannt, den wir waren beide seit über 10 Jahren nicht mehr da.

Manchmal komme ich mir in der Bücherei vor, als ob ich Teil einer Sitcom wäre. Ich meine, wo sonst als im Fernsehen, kommt einer 5 Minuten vor Schluß in die Bücherei gehetzt, rennt zu einer Bibliothekarin und fragt, ganz außer Puste, ob wir das Buch “No Time to Lose” haben? Doppelt ironisch dabei war dann noch, dass es sich bei besagtem Buch um ein Buch über buddhistische Lebensweisheiten handelt und darin bestimmt davon die Rede ist, dass man sich eben nicht abhetzen soll. Zum Thema Buddhismus und Lebensweisheiten fällt mir gleich noch etwas ein. Wir müssen – weil wir einfach aus allen Nähten platzen – ständig Bücher aussortieren, damit wir Platz für die neuen Bücher haben. Da haben wir also letztens die asiatischen Philosophiebücher aussortiert und ich kann euch garnicht sagen, wieviele davon mit Bleistift, Kugelschreiber, Filzstift und Leuchtmarker in allen Farben unterstrichen und beschrieben waren. Da liest man also ein Buch zur Selbstfindung und Erleuchtung und schafft es noch nicht mal den eigenen Egoismus soweit in Schach zu halten, dass man die Büchereibücher für andere Leser in gutem Zustand erhält? Oder halten die Leute sich vielleicht sogar noch für hilfsbereit? Schau her, ich habe schon alles wichtige unterstrichen, den Rest kannst du dir sparen? Interessant ist dann noch, dass das meistens nur im ersten Viertel oder Drittel eines Buches passiert. Tritt dann die Erleuchtung ein und der Leser versteht, dass er das nicht machen soll? Oder gibt er ganz einfach auf und nimmt sich – mit Bleistift, Kugelschreiber, Filzstift und Leuchtmarkern in allen Farben bewaffnet – einen neuen Selbsthilfetitel vor? Das Aussortieren von Büchern heißt auf Englisch übrigens “weeding” also Unkrautjäten. Und ich finde den Namen ziemlich passend, nur das ich immer Angst habe, mit dem ganzen Unkraut auch die Radieschen und Mohrrüben auszureissen.

Eigentlich will ich ja nicht in die Politik abschweifen, aber ihr verfolgt in Deutschland sicher auch das ganze Drama des Präsidentenwahlkampfs hier. Ich habe ja manchmal das Gefühl, dass der Wahlkampf überhaupt nicht mehr aufhören wird, aber im November ist es endlich so weit. Den Obama haben die Demokraten ja jetzt auch endlich einstimmig zu ihrem Kandidaten gemacht und machen sich mit ihrem Hillary hin oder her nicht mehr zum Gespött der Republikaner. Hier in San Francisco sitzen wir ja in einer vom Rest Amerikas ziemlich isolierten Blase und mir fällt es oft sehr schwer die Denkweise dieses Rests zu verstehen. Da habe ich letzte Woche zum Beispiel eine – ernstgemeinte – Diskussion darüber gehört, dass Obama sich zu sehr als Messias präsentiert, wo ihn doch ein nicht geringer Prozentteil der Amerikaner für den Antichrist halten! Ich meine, in welchem Zeitalter befinden wir uns denn? Im Mittelalter? Dass viele ihn immer noch für einen Muslim halten und nach einer Fernsehdebatte mit McCain das wichtigste Thema war, ob er Patriot sein kann, wenn er keinen Flaggenanstecker am Revers hat, habt ihr ja in den deutschen Medien bestimmt auch schon gehört. Und vom Gegenteil überzeugen kann man die Leute, die derartige Meinungen haben, überhaupt nicht. Denn es hängt ja alles vom richtigen Glauben ab und der ist Beweisen und Tatsachen gegenüber immun. Viel machen kann man also nichts, sondern nur hoffen, dass es doch gut ausgeht und wir nicht nach Bush Senior und Bush Junior jetzt noch 4-Jahre einen Bush-Klon ertragen müssen.

Tja, das wäre es mal wieder, aber zum Abschluss, sozusagen als Nachtisch, hier noch eine Annonce, die mir letztens in der Zeitung aufgefallen ist: “Deity inherited of a spiritual house, original owner of Serendipity violated 20 years. Proof. Call 415-xxx-xxxx.”

Liebe Grüße,

Eure Daniela


Donnerstag, 19. Juni 2008

Wer quaelt da einen Hund?

Nachträglich noch etwas zum Thema Feiern: Vor ein paar Wochen kamen wir einmal am Abend etwas später nach Hause (bestimmt schon nach 10 Uhr). Als wir gerade die Haustüre aufschließen wollten, hören wir auf einmal ein eigenartiges Geräusch. Es klang also ob jemand einen Hund folterte. Wir sind wieder aus unserem Eingang heraus um zu sehen, was da los ist. Es hat ein bisschen gedauert bis wir das Geräusch geortet haben, aber schließlich haben wir es doch gefunden. Und was war es, fragt ihr euch jetzt sicher. Ein Dudelsackspieler im Eingang des Baubedarfsladens gegenüber von uns! Der war gerade dabei seinen Dudelsack aufzupumpen (oder wie immer man das nennt) und das war das Geräusch, das ein Dudelsack dabei macht. Kurz darauf fing er an richtig zu spielen. Ich kenne mich mit Dudelsackmusik nicht so gut aus und fand es garnicht mal schlecht, aber warum er spielte konnten wir leider nicht herausfinden. Ich nehme mal an, dass es nicht einfach ist, Dudelsack spielen zu lernen und dass, wenn man in einem Apartment wohnt, die Nachbarn nicht unbedingt die eigene Begeisterung für Dudelsackmusik teilen (oben erwähntes gefolterter Hund Geräusch sei da nur ein Beispiel). Dass man dann vielleicht lieber nicht in der eigenen Wohnung übt, ist mir verständlich. Mir ging es schon auf die Nerven als der Nachbar über uns anfing abends Gitarre zu üben und jedes mal, wenn ich an einem Haus vorbei gehe, wo gerade ein Kind Geige übt, rollen sich mir die Zehennägel auf. Aber warum man beschließt dass der Eingang des Baubedarfsladens um 10 Uhr abends mitten auf West Portal der ideale Probenraum ist, bleibt ein Rätsel. Wenn ich jetzt spekulieren soll und spekulieren tue ich ja gerne, dann würde ich sagen, dass es sich um ein archaisches Ritual der Baubedarfsladenbesitzer, die sich gegen große Ladenketten (in Deutschland Baumarkt, in Amerika Home Depot – oder wie viele sagen Home Despot) durchsetzen müssen, handelt. Wie schon früher die Dudelsackspieler die Feinde durch bloßes Musikspielen in Angst und Schrecken versetzt haben, so helfen sie jetzt den Baubedarfladenbesitzern die Konkurenz in Schach zu halten. Ich denke nur, dass vielleicht eine ganze Gruppe Dudelsackanfänger, die gemeinsam während der Ladenöffnungszeiten vor einem dieser besagten Home Despots üben, vielleicht noch effektiver wären. Und als kleine Nebenbemerkung zum Thema Dudelsack: in Anselms Familie, die ja schon mit zwei chinesisch sprechenden deutschen Familienmitgliedern und einem Vater, der mit über 60 das Einradfahren angefangen hat, etwas aus dem Rahmen fällt, gibt es natürlich auch einen Dudelsackspieler! Der spielt allerdings meines Wissens nach nicht vor Baubedarfsläden.

Tja, der Nachtrag ist jetzt doch ein bisschen länger als geplant geworden. Und weil ich gerade schon so viel Spaß habe, hier noch ein paar Kuriositäten aus der Bücherei. Wir haben endlich den Mann entlarft, der monatelang mit Urin gefüllte Plastiktüten in einem Papierkorb in der Bücherei hinterließ. Ich weiss nicht, ob ich schon von den Plastiktüten erzählt habe. Die tauchten auf einmal in der Bücherei auf, immer gegen Abend und immer im gleichen Papierkorb. Da Abends nicht mehr so viele Leute in der Bibliothek sind, hatten wir auch bald einen Verdächtigen. Das Problem war dann nur noch, dass wir keine Beweise haben und man natürlich nicht einfach auf jemanden zugehen kann und ganz beiläufig mal fragen kann, ob derjenige vielleicht gestern eine Urintüte in der Bücherei hinterlassen hat. Wir mussten ihn also auf frischer Tat ertappen und das war garnicht so einfach. Wenn man zu auffällig ist, dann tut er es nicht, wenn man aber nicht genau aufpasst, dann verpasst man die Abgabe und hat wieder keinen Beweis. Das zog sich dann wie gesagt einige Monate hin, aber schließlich hat ihn doch jemand ertappt und jetzt darf er ein halbes Jahr nicht mehr kommen.

Und weil ich gerade bei illegalen Vorgängen in der Bücherei bin, hier noch eine Story. Als ich gerade in Chinatown angefangen hatte, gab es einen Vorfall wo eine Minderjährige belästigt wurde und wir die Polizei holen mussten. Wir haben einen Bericht gemacht und da niemand von uns den Belästiger gesehen hatte (er hatte dem Mädchen einen Zettel mit seiner Telefonnummer gegeben), konnten wir nichts weiter machen. Die Polizei hat uns dann noch mitgeteilt, dass sie den Typen anhand seiner Telefonnummer ausfindig gemacht haben und das war es dann. Bis vor ein paar Wochen. Da habe ich nämlich eine Vorladung vors Gericht erhalten. Erst habe ich einen totalen Schreck bekommen, weil ich gedacht habe, dass mich jemand wegen, was weiss ich, vielleicht schlechter Auskunft oder unhöflichem Verhalten, verklagt hat, aber die Vorladung war “nur” als Zeugin. Der Typ kommt nämlich jetzt deswegen vor Gericht und da ich im Polizeibericht erwähnt bin, könnte ich als Zeugin vor Gericht gerufen werden. Bis jetzt war schon jemand von Büro der Staatsanwältin da und hat mich befragt und heute kam die vom Staat gestellte Verteidigerin vorbei und hat mir auch Fragen gestellt. Ich hoffe mal, dass es dabei bleibt. Ich habe absolut keinen Bock an einer amerikanischen Gerichtsverhandlung teilzunehmen. Aber, wie mir die Vorladung höflich mitgeteilt hat, habe ich dabei keine Wahl. Ich dachte immer, dass man, wenn so was in der Arbeit passiert, schon das Recht hat, das abzulehnen, aber da lag ich wohl falsch. Der Ermittler von der Staatsanwaltschaft hat mir schon einen tollen Tip gegeben, wie ich mich am besten verhalten soll. “Einfach die Wahrheit sagen,” soll ich. Da wäre ich alleine nicht drauf gekommen!

Mehr dazu – hoffentlich nicht – später.

Viele liebe Grüße aus dem wunderschön warmen und sonnigen San Francisco.

Labels:

Montag, 28. April 2008

Wenn Immobilienmakler feiern...

Ach ist schon schön, wenn man einen ruhigen Abend zu Hause verbringen will und die Immobilienmakler unter einem beschließen, eine Party zu feiern. Die Musik ist lauter, als die Musik, die normalerweise aus unserer Stereoanlage kommt und ist natürlich genau die Mischung von Pop, Hip Hop und Salsa, die wir nicht leiden können, Immobilienmakler aber anscheinend unwiderstehlich finden. Naja, hoffenlich gehen sie bald nach Hause. Mir wäre das ja sowieso zu blöd nach der Arbeit noch im Büro zu feiern. Aber ich bin ja auch kein Immobilienmakler, denn die hängen anscheinend gerne nach der Arbeit noch im Büro rum. Manchmal kommen sie sogar mitten in der Nacht vorbei, machen im Garten das Licht an und sitzen da rum. Ich meine, der Garten ist ja schon ganz nett, aber es ist eben doch das Büro. Wer sagt nach dem Abendessen im Restaurant und nach ein paar Gläsern Wein (Bier trinken die glaube ich nicht) schon, “ach komm, gehen wir noch schnell im Büro vorbei und setzen uns da in den Garten.” Ich auf jeden Fall nicht, obwohl, so eine Nacht ganz alleine in der Bibliothek wäre schon nicht schlecht... aber vielleicht spukt es da ja auch.


Aber genug von Immobilienmaklern. Anselm hat schon vorgeschlagen, seine High on Fire CD ganz laut anzumachen, aber ich glaube eine Mischung von High on Fire und Pop-Hip-Hop-Salsa wäre wahrscheinlich tödlich. Vielleicht kann er die ja unter der Woche mal anmachen, wenn die da unten arbeiten müssen!


Tja, weiter bin ich mal wieder nicht gekommen, weil es im anderen Zimmer leiser war und wir dann einfach eine DVD angeschaut haben, um uns von der Party abzulenken.


Nachdem das ganze Wochenende die Sonne geschienen hat und das Meer so blau und einladend aussah, dass man fast darin schwimmen möchte, ist heute unser Nebel wieder da und alles ist grau und feucht. Aber gut, nachdem in San Diego erst ein 5 Meter langer Hai einem Surfer mit einem Haps beide Beine abgebissen hat, kriegt mich hier sowieso keiner ins Wasser! Und kalt ist das Wasser ja trotzdem immer, auch wenn es noch so karibisch blau aussieht. Über den Nebel freue ich mich auch weil unsere Klimaanlage in der Bücherei nicht funktioniert. Oder eher gesagt, sie funktioniert angeblich, nur merkt man davon in der Bücherei nichts. Das ist eben das Schöne an so zentral gesteuerten Anlagen. Man kann selber nichts tun und hat deswegen auch keine Beweise, das etwas nicht funktioniert. Was mich wundert ist nur, dass die Leute trotzdem in Scharen in die Bücherei kommen. Sie beschweren sich dann, dass es zu warm und stickig ist, aber sie könnten ja auch woanders hingehen, wo es nicht heiss und stickig ist! Ich darf ihnen das natürlich nicht vorschlagen, aber wundern tue ich mich da schon. Wenn ich gestern die Wahl gehabt hätte, wäre ich sicher nicht in der Bücherei gewesen!


Allerdings werde ich in der nächsten Zeit viel mehr in der Bücherei sein, egal ob das Wetter schön ist oder nicht. Ein Kollege wechselt in eine andere Stadteilbücherei und eine Kollegin hat 2 Monate Pflegeurlaub genommen, weil ihre Mutter in Hongkong krank ist. Tja und da wir ja eine Einstellungssperre haben, weil San Francisco kein Geld aber viele Schulden hat, werden wir so bald auch keinen Ersatz bekommen. Und für mich heißt das mehr Stunden. Ist mir eigentlich auch ganz recht, nur kommen im Mai Anselms Schwester mit Familie und da wäre es schön etwas mehr Zeit für Nichte und Neffen zu haben. Bin schon sehr gespannt, was Anselm dieses Mal von seinem Neffen lernen wird. Ich sage ihm ja immer, dass das eigenlich umgekehrt funktioniert, aber er hört ja sowieso nie auf mich. Naja, vielleicht kann ich mir ja ein paar Tips von unserer Nichte abschauen. Was natürlich heißt, dass wir noch alberner als sonst werden, aber damit müssen wir dann eben leben. Und unsere Umgebung mit uns, also freut euch, dass ihr so weit weg seid. Obwohl ... habe ich schon erwähnt, dass der Dollar-Euro Umtauschkurs zur Zeit für euch sehr günstig ist...


Also, viel war es dieses Mal nicht, aber es passiert eben nicht immer was Interessantes.


Liebe Grüße,

Daniela