Kaffee und Schafe
Neulich war ein Artikel in der Zeitung über die Plastikdeckel, die hier - und wahrscheinlich immer häufiger auch in Deutschland auf die Papierbecher für den Kaffee kommen. Eigentlich nicht einen ganzen Artikel wert; es sei denn man liest eine Fachzeitschrift der Plastikindustrie oder der Kaffeebranche. Es war aber doch sehr interessant zu lesen, dass Leute tatsächlich sehr genaue Meinungen zu ihren Kaffeebecherdeckeln haben. Eine Frau berichtete zum Beispiel, dass sie bei Dunkin'Donuts immer einen großen Kaffee bestellt weil auf den großen Kaffeebecher der halbkugelförmige Deckel kommt, der anscheinend für den Genuß eines Dunkin'Donuts Kaffees essentiell ist. Ich muß jetzt gestehen, dass ich noch nie einen Dunkin'Donuts Kaffee getrunken habe, ob mit oder ohne halbkugelförmigem Deckel, und deswegen nicht sagen kann, ob das wirklich einen Unterschied macht. Wir haben in San Francisco leider auch gar keinen Dunkin'Donuts sondern nur Happy Donut, sonst hätte ich, der journalistischen Integrität wegen, natürlich einen Selbstversuch unternommen. Ein anderer berichtete, dass er den Kaffee einer anderen Kette komplett vermeidet, da ihm die Deckel da zu laprig sind. Ich finde ja immer nur, dass der Kaffee aus dem Pappbecher nach Pappe schmeckt genauso wie das Bier aus der Dose immer nach Dose schmeckt. Dass Leute so genau wissen was sie wollen, fasziniert mich ja schon seit langem. Und warum scheinen die Amerikaner und noch viel mehr die Kalifornier so viel besser zu wissen was sie wollen? Das Salatdressing in einem extra Schüsselchen, keine Kartoffeln im Kartoffelcurry sondern lieber Zucchini (das habe ich tatsächlich in einem Thairestaurant in Sonoma gehört), den Bagel nur ganz leicht getoastet und ein kleines bisschen Frischkäse, ich könnte endlose Beispiele aufzählen. Sind wir Deutschen da zu lasch oder entscheidungsunfreudig? Letztens fragte mich eine neue Barista in unserem Stammcafe, ob ich meinen Latte lieber wet oder dry hätte. Ich hatte nur eine wage Vorstellung was ein wet oder dry Latte ist und konnte beim besten Willen keine Vorliebe für die eine oder andere Version in mir finden. Tja keine Ahnung musste ich da gestehen. Sie hat dann ganz freundlich vorgeschlagen, dass sie mir dieses mal einen wet Latte macht und das nächste mal einen dry und ich ihr dann sagen könnte, welchen ich besser finde. Gut, haben wir dann so gemacht, ich muß aber gestehen, dass ich es auch danach immer noch nicht wusste. Kaffee ist nicht unbedingt gleich Kaffee, aber solange der Kaffee nicht wie Spülwasser schmeckt, ist es mir ziemlich wurscht ob er dry oder wet ist. Habe ich der freundlichem Barista aber nicht gesagt, sondern nur gemeint der Latte wäre klasse und sie solle ihn einfach in Zukunft weiter so machen. Ob das aber wet oder dry ist, kann ich leider nicht sagen.
So kann man eben immer wieder neue Sachen über sich selbst herausfinden. Ich habe neulich neben meiner Erkenntnis, dass ich unfähig oder unwillig bin in Sachen Kaffeevorlieben eine Entscheidung zu treffen auch noch herausgefunden, dass ich nicht Schafe zählen kann. Nicht echte Schafe auf der Weide sondern die Schäfchen, die man der Volksweisheit nach zählen soll, wenn man nicht schlafen kann. Das passiert mir zum Glück nur sehr selten, sonst hätte ich das bestimmt früher schön mal festgestellt. Habe ich aber nicht und so lag ich neulich einmal im Bett, konnte nicht schlafen und dachte mir, dass ich es ja mal mit Schäfchenzählen versuchen könnte. Nichts einfacher als das, man liegt im Bett und zählt die Schäfchen, die vor dem inneren Auge über den Zaun springen. Ja, von wegen einfach. Ich denke Schäfchen, sehe aber vor meinem inneren Auge alles mögliche nur keine Schafe. Ihr sagt jetzt vielleicht, dass es an mangelnder Vorstellungskraft liegt. Aber bei ander
en Sachen - hier habe ich anders als beim Dunkin'Donuts Kaffee nämlich nicht nur einen sondern gleich mehrere Selbstversuche unternommen - funktioniert das einwandfrei. Ich denke Pferd und sehe ein Pferd, ich denke Mohrrübe und sehe Mohrrübe, ich denke Frosch und sehe Frosch, nur wenn ich Schaf denke sehe ich alles mögliche nur keine Schafe. Im seltenem Fall, dass ich es doch schaffe ein Schaf zu sehen, ist es nur für einen Augenblick und auf keinen Fall lange genug um es über einen Zaun springen zu lassen. Deswegen hilft das Schäfchenzählen bei mir überhaupt nicht, weil ich mich so konzentrieren muß, dass ich wieder hellwach werde. Obwohl, ein paarmal bin ich, glaube ich, aus reiner Frustration eingeschlafen. Vielleicht ist das ja das Geheimnis des Schäfchenzählens. Wenn sich unter euch erfahrene Schäfchenzähler befinden, könnt ihr mich ja in dieser Hinsicht ein bisschen aufklären.
Labels: Kaffeevorlieben, Pappbecher, Schaefchenzaehlen, Schafe

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