Vista und Taiwan
Unser Urlaub in Taiwan liegt ja eigentlich erst 1 Monat zurück aber es fühlt sich an, als ob wir vor Jahren dort waren. Trotzdem wollte ich euch natürlich von unserem Urlaub berichten. Und eigentlich wollte ich das gleich nach unserer Rückkehr tun, aber plötzliche Computererschöpfung machte sich breit (wahrscheinlich eine Kombination von Jetlag und Windows Vista) und ließ sich bis jetzt nicht abschütteln.
Deswegen beschwere ich mich jetzt, bevor ich mich an das erfreuliche Thema Taiwan mache, erst einmal über meinen Computer. Mein alter Laptop, der mir während meines Studiums gut gedient hat, wurde vor 2 Jahren immer langsamer und langsamer und ich habe, da ich einige freiberufliche Projekte hatte und daher auch genug Geld da war, beschlossen, mir einen neuen zu genehmigen. Der alte Laptop war Toshiba und da ich damit sehr zufrieden war, habe ich ein neues Model der gleichen Marke erstanden. Kam auch bald, sah wunderschön aus, hatte nur einen Makel: Windows Vista. Wie schrecklich das sei, hatte ich schon in mehreren Artikeln gelesen. Aber ich, optimistisch (oder blauäugig), dachte, dass Vista für jemanden wie mich, die ihren Computer wie eine bessere Schreibmaschine benützt, kein grosses Problem sein würde. Oh, jugendlicher Übermut, wie falsch lag ich da! Mein neuer Computer ist langsam wie eine Schnecke, die Soundkarte verabschiedet sich ab und zu mal, das mitgelieferte DVD Program spielt meine DVDs nur manchmal und das Betriebssystem behandelt mich wie eine Dreijährige (Willst du das wirklich machen? Bist du dir da auch ganz sicher? Soll ich dieses Program wirklich starten? Endlos geht das so.) Dass eine Firma meint sich so ein Produkt erlauben zu können, ist wirklich eine Frechheit. Ich war schon kurz davor, einfach alles zu löschen und Windows XP zu installieren, aber eine Recherche im Internet hat dutzende von Horrorstories von Leuten gefunden, die genau das probiert haben und an nicht vorhandenen Treibern und anderen Problemen verzweifelt sind. Mein Schwiegervater hatte das gleiche Problem und ist zu Ubuntu übergewechselt, aber dafür müsste ich Photoshop und einige andere Programme aufgeben, DVDs sind da angeblich immer noch ein Problem und die richtigen Treiber sind auch nicht garantiert. In letzter Zeit schaue ich immer sehnsüchtig die putzigen Apple Laptops im Schaufenster des Apple Stores an, aber das wäre wirklich idiotisch, weil ich ja einen neuen Laptop habe, der nur nicht so funktioniert wie ich das gerne hätte. Jetzt hoffe ich, wie viele andere Vista Geschädigte, dass Microsoft wenigstens soweit zu ihren Fehlern steht, dass sie Vista Benutzern ein Upgrade zu ihrem neuen Betriebssystem, das angeblich bald auf den Markt kommen soll und angeblich viele der Fehler und Probleme von Vista korrigiert, umsonst oder zumindest sehr billig anbietet. Aber so richtig glauben kann ich das nicht, wenn man das Verhalten von Microsoft in der Vergangenheit betrachtet.
Aber genug von meinem Computer...
So weit bin ich das letzte Mal im Cafe gekommen bevor sich mein Laptop aus mir unerfindlichen Gründen verabschiedet hat. Aber ich habe gute Nachrichten: Am Montag war Anselms Computerfachmann da und hat sich den armen Laptop mal angeschaut. Ein mit Vista konkurierendes Antivirusprogram war angeblich Schuld an der Misere. Jetzt habe ich ein anderes und der Computer ist wesentlich schneller – wenn auch immer noch langsamer als ein XP Computer wäre - und ärgert mich nicht mehr mit ständigen Fragen. Wenn jetzt noch der DVD Spieler beschließt, dass man doch ab und zu auch mal eine deutsche DVD anschauen könnte (die mag er nämlich trotz korrektem Ländercode nicht) dann ist hier alles in Butter.
Jetzt aber wirklich genug von Computern; nicht dass ihr euch noch total langweilt. Unser Urlaub in Taiwan ist da schon viel interessanter – finde ich zumindest. Wenn ihr lieber mehr Computergeschichten möchtet, müßt ihr es mir nur sagen. In der Bücherei gibt es davon genug. Wie ich in der letzten Kolumne glaube ich schon erwähnt habe, war es für uns beide seit langer Zeit der erste Besuch in Taiwan und wir waren beide gespannt, ob wir überhaupt noch etwas erkennen würden. Wir kamen spät am Abend am Flughafen an und fuhren im Dunkeln zu unserem Hotel. Wir haben beide eifrig aus dem Fenster geschaut und versucht uns zu orientieren, waren aber komplett erfolglos. Am nächsten Morgen ging es etwas besser. Wir sind einfach von Hotel aus los gelaufen und sobald wir in der Nähe des Hauptbahnhofs waren, kamen die Erinnerungen zurück. Gut, die Straße vor dem Bahnhof war nicht mehr eine riesige Baustelle, aber der Bahnhof und die Gebäude in der Gegend waren noch erkennbar. Ebenso der Smog, die endlosen Vespas und die Busse. Ich hatte eigentlich gedacht, dass es jetzt wo die Ubahn funktioniert und nicht mehr, wie bei den Testläufen vor 15 Jahren, in den Kurven Feuer fängt, weniger Busse gibt, aber das scheint nicht der Fall zu sein. Wir fanden uns gleich wieder ganz gut zurecht und abgesehen von den ersten paar Tagen war das Wetter auch nicht schlecht. Die meiste Zeit haben wir damit verbracht, in Taipei herumzulaufen und zu essen. Das Essen war das, was mir am meisten gefehlt hat, vor allem das Essen, das auf der Strasse an kleinen Ständen verkauft wird. Meistens hatten wir am Abend fast gar keinen Hunger mehr, weil wir tagsüber schon so viel gegessen haben. Aber abends ist eigentlich die beste Zeit zum Essen, weil die Nachtmärkte und viele Restaurants erst am Abend aufmachen. Da verwandeln sich tagsüber uninteressan aussehende Gegenden in glitzernde Einkaufswunderländer voll mit Ständen an denen man alles erdenkliche kaufen kann, vielen, vielen Leuten und interessanten und leckeren Essen. Deswegen haben wir natürlich trotzdem noch was gegessen und haben dann im Hotel unsere dicken Bäuche bewundert. Gut dass wir am nächsten Tag wieder den ganzen Tag herum gelaufen sind, sonst hätte man uns am Ende unseres Urlaubs rollen können. Abgesehen von Taipei waren wir noch im Süden in Tainan. Tainan ist die alte Hauptstadt und hat an fast jeder Straßenecke einen oder manchmal auch mehrere Tempel. In den Tempeln war immer sehr viel los, weil wir kurz vor dem chinesischen Neujahr in Taiwan waren und man da in den Tempel muss um Glück fürs neue Jahr zu garantieren. Nach Tainan waren wir in Taizhong und Lugang, ebenfalls eine für ihre Temple berühmte Stadt, und dann ging es wieder zurück nach Taipei. So richtig touristische Sachen haben wir eigentlich wenig gemacht und wenn ich jetzt unseren Urlaub beschreibe, klingt es fast ein bisschen lasch. Das war aber – zumindest für uns – nicht der Fall. Unser Hauptziel war ja ein paar der Orte zu sehen, die uns damals gut gefallen haben, Freunde zu besuchen und ein paar Sachen zu machen, die wir damals machen wollten, aber irgendwie nie die Zeit dazu gefunden haben. Und das haben wir ganz gut geschafft. Es war schon recht erstaunlich, wie wenig sich manche Gegenden verändert haben und wie komplett verändert manche Gegenden waren. Da hatte ich fast das Gefühl, dass wir anstelle mit dem Flugzeug mit einer Zeitmaschine gereist sind – manchmal in die Vergangenheit und manchmal in die Zukunft. Vor allem in den riesigen Kaufhäusern – und der Hertie in München ist im Vergleich zum sich über drei Blocks und 11 Stockwerke erstreckenden Mitsukoshi ein Kramladen - kam ich mir wie ein Landei vor. Ich bin ja kein richtiger Shopper und mache schon nach einem halben Stockwerk schlapp. Nur in den Buchläden – die ebenfalls riesig sind – halte ich besser durch, aber jetzt wo ich in der Chinatown Bücherei viele neue chinesische Bücher ausleihen kann (oder könnte, denn meistens lese ich doch englische Bücher weil ich zu faul bin), habe ich meistens nur geschaut und weniger gekauft. Wir wären gerne noch ein bisschen in die Berge gefahren um ein bisschen zu wandern, aber das hätten wir nur geschafft, wenn wir uns nicht mit Freunden getroffen hätten und das war uns dann doch wichtiger.
War auch eine gute Entscheidung, denn das Wetter war doch recht kalt und bei unserer einzigen längeren Wanderung im Yangmingshan Nationalpark in Taipei waren die Temperaturen auf dem Gipfel fast am Gefrierpunkt. Wir waren so verfroren (San Francisco Winterkleidung eben), dass uns auch die Schwefeldünste auf dem Rückweg nicht mehr aufgewärmt haben und wir erst über einer dampfenden Schale Shaoxiancao wieder aufgetaut sind.
Naja, jetzt sind wir auf jeden Fall wieder zu Hause und planen unseren nächsten Urlaub. Ja, die Urlaubslotterie der Bücherei hat mir einen dreiwöchigen Urlaub genehmigt und Mitte Juni ist es mal wieder Zeit für einen Besuch in Deutschland. Wir wollen erst eine Woche irgendwo in Europa (bis jetzt sind Rom oder Amsterdam im Gespräch) Urlaub machen und sind dann 2 Wochen in Wulfertshausen. Ich melde mich, sobald wir genauere Pläne habe, damit ihr entweder Platz für uns in euren Terminkalendern machen oder noch schnell eine “unaufschiebbare Geschäftsreise” für diese Zeit planen könnt.

2 Kommentare:
Du hast es ja witzig geschrieben! hahaha!
Ich habe gaaaaaaaanz viiiiieeeeeeel Zeit in meinem Terminkalender!!!!
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