Zwischen den Jahren
Tja, zwischen den Jahren und bevor wir uns auf den Weg nach Taiwan machen wollte ich mich schon noch mal melden. Ich hoffe, ihr hattet alle ein schönes Weihnachtsfest und feiert schön Sylvester. Wir hatten an Weihnachten viel Spaß mit Anselms Schwester und ihren Kindern. Wir waren alle bei Anselms Eltern, haben zusammen gekocht und Malefiz gespielt. Sehr unterhaltsam! Die Bücherei hat leider gleich am Freitag nach Weihnachten wieder aufgemacht – kein 2. Weihnachtsfeiertag oder Boxing Day in den USA – und aus irgendeinem Grund waren viele Leute ganz besonders grätzig oder nervig. Naja, bei der Wirtschaftslage ist das ja auch verstandlich - bloß meine Schuld ist das ja nun auch nicht und wo kriegt man so viel umsonst wie in der Bücherei? Am Samstag war sogar ein Artikel über uns in der Zeitung. Im Artikel ging es hauptsächlich um die Zentralbibliothek und darum, dass jetzt mehr Leute die Bücherei benutzen um DVDs auszuleihen und Hilfe bei der Arbeitssuche zu kriegen. Interessant daran war auch, dass in den Top 5 Listen der am meisten ausgeliehenen Bücher und DVDs einige chinesische Titel waren, aber keine spanischen. Falls ihr den Artikel lesen wollt, hier der Link: http://www.sfgate.com/cgi-bin/article.cgi?f=/c/a/2008/12/27/BA4814U7KK.DTL Dass mehr Leute in die Bücherei gehen, merke ich in Chinatown allerdings nicht unbedingt, weil bei uns sowieso immer viel los ist.
Neulich saß ich in der U-bahn und habe Schuhe gezeichnet und da ist mir aufgefallen, dass viele chinesische alte Damen die gleichen schwarzen Schnürschuhe tragen. Natürlich gibt es auch welche, die diese Schuhe in beige haben und andere, die ganz hippe Turnschuhe tragen, aber die schwarzen Schnürschuhe sind eindeutig die Favoriten. Jetzt muß ich nur noch herausfinden, wo man diese Schuhe kaufen kann und ich kann mich endlich in Chinatown voll anpassen. Was man in der U-bahn beobachten kann ist sowieso hochinteressant. Am meisten fasziniert mich da immer das Schminken. Von den tausenden an Kosmetikprodukten, die es zu kaufen gibt, benutze ich ja nur einen geringen Bruchteil und den auch nur sporadisch und äußerst laienhaft. Deswegen muß ich mich immer sehr beherrschen, damit ich die Damen, die mit voller Schminkausrüstung in der U-bahn am Werk sind, nicht zu offensichtlich anstarre. Besonders faszinierend finde ich dabei immer Wimperntusche und Wimpernzange. Wimperntusche benutze ich vielleicht 2 Mal im Jahr und eine Wimpernzange habe ich noch nie benutzt. Schon allein deswegen finde ich das immer sehr interessant aber was mich noch mehr fasziniert ist, dass es sich bei beiden ja um recht harte und spitzige Dinge handelt, die in einer U-bahn wie der in San Francisco, die zu plötzlichen Vollbremsungen neigt, durchaus gefährlich sein können. Vor allem die Wimpernzangen, die meiner Meinung nach sowieso aussehen als ob sie zum Entfernen von Augäpfeln und nicht zum Biegen von Wimpern dienen, würde ich in der ubahn nicht in die Nähe meiner Augen lassen. Aber andere Leute haben anscheinend keinerlei derartige Bedenken und man sieht Wimperntusche und Wimpernzange nach Lippenstiften am häufigsten in der U-bahn. Der Gedanke ohne getuschte und gebogene Wimpern in der Arbeit aufzutauchen ist anscheinend angsteinflößender als der an eine im Augapfel feststeckende Wimperntuschenbürste.
Ist das Schminken in der U-bahn eher interessant und vielleicht sogar lehrreich, finde ich dagegen das Kämmen, Bürsten und vor allem Nagelschneiden wirklich eklig. Aber auch da bin ich anscheinend in der Minderheit, denn die Anzahl der Leute, die in der vollen U-bahn auf einmal einen Nagelknipser hervorziegen und ihre abgeschnittenen Nägel unter die Leute schnipsen, ist fast so groß wie die der Wimperntuscher und -bieger. Manchmal will ich ja echt was sagen, vor allem wenn besagte Person direkt neben mir sitzt, aber da man ja nie weiß, wie Leute reagieren – vor allem in San Francisco, – habe ich mich bis jetzt immer beherrscht.
Ach ja, zum Thema wozu die Bücherei doch alles gut ist, kann ich seit neuestem auch Heiratsvermittlung rechnen. Neulich kam nämlich eine Büchereibenutzerin - und noch nicht mal eine von den sympathischen - zu mir und fragte mich, wie alt ich denn wäre. Ich habe ihr natürlich erklärt, dass das Beantworten von derartigen Fragen nicht zu meinen Aufgaben gehört. Daraufhin hat sie mich gefragt, ob ich 29 bin. Ich habe verneint und sie hat gefragt, ob ich 41 bin. Ich habe wieder verneint und sie daran erinnert, dass ich derartig persönliche Fragen nicht beantworte. Daraufhin hat sie gemeint, sie frage ja bloß und sie hätte zwei Brüder. Und da war mir auf einmal klar was der Zweck von dem Ganzen war: ganz offensichtlich sucht sie Ehefrauen für ihre Brüder und nach dem chinesischen Horoskop paßt am besten eine Frau die im Jahr der Ziege geboren ist. So ein Pech aber auch dass ich erstens schon verheiratet und zweitens ein Schwein bin, sonst hätte ich da vielleicht einen guten Fang machen können. Oder auch nicht, denn wer schickt schon seine Schwester in die Bücherei auf Ehefrauensuche?
Tja beim Thema Schwein belasse ich es dann auch, wünsche euch allen einen guten Rutsch und viel Schwein im neuen Jahr. Ich melde mich dann nächstes Jahr wieder, wenn wir zurück aus Taiwan sind.
