McPain

Und schon wieder eine Meldung aus San Francisco. Ich kann im Moment ja nur sagen, wie froh ich bin, nicht amerikanische Staatsbürgerin zu sein und nicht einmal im theoretischsten aller theoretischen Fälle Sarah Palin als meine gewählte Vizepräsidentin zu erwägen. Obwohl, wenn ich amerikanische Staatsbürgerin wäre, könnte ich natürlich meinen Teil dazu beitragen, dass sie nicht gewählt wird. Dazu müssten wir allerdings in einen der sogenannten Swing States umziehen, denn hier in Kalifornien haben sie sowieso keine Chance und meine eine Stimme würde nicht viel ausmachen. Da ich aber frühestens nächstes Jahr meine Staatsbürgerschaft beantragen kann, kann ich nur die Daumen drücken und hoffen, dass die Wahl gut ausgeht. Geholfen hat das vor 4 bzw. 8 Jahren zwar nicht aber, wie man hier sagt third time´s the charm.
Aber genug von Politik. Meine Eltern kommen zu Besuch btw. wir treffen uns erst mal in San Diego und da dann schon bald der Thanksgiving und Weihnachstsstress beginnt, dachte ich mir, dass ich unbedingt die Gelegenheit nützen muss um mich mal wieder zu melden. Außerdem kann ich euch dann auch gleich noch ganz stolz von meiner ersten Ausstellung berichten. Unsere Zentralbibliothek hat eine Angestelltengallerie, wo also Angestellte der Bücherei ihre Werke ausstellen können. Und da stelle ich ab heute einige meiner Alphabetbilder aus. Heute morgen war ich da und habe alles aufgehängt – eigentlich hatte ich gedacht, dass mir dabei jemand hilft, habe aber doch alles ganz alleine gemacht – und bin ganz zufrieden. Ich habe noch keine Photos, weil die Schilder noch nicht fertig sind. Wenn ich welche habe, schicke ich sie noch nach. Jetzt bin ich erst mal gespannt auf die Reaktionen meiner Kollegen. Verkaufen werde ich bei dieser Ausstellung wohl nichts und eigentlich will ich auch keines von meinen Bildern wirklich hergeben. Ich habe keine Emailaddresse oder Telefonnummer angegeben, da die Zentralbibliothek auch die Zentrale der gestören, unangenehmen und gefährlichen Büchereibenutzer ist und ich keine Lust habe, von diesen Leuten Emails oder Anrufe zu erhalten.
Hier noch ein Nachtrag zur eigenartigen Zeitungsanzeige vom letzten Mal. Ich bin mir ziemlich sicher, dass dieses Haus in der Absalom Strasse zu finden ist; wahrscheinlich gleich neben dem Safe Place Research Project. Danach hat nämlich jetzt schon ein paar Mal eine Frau in der Bücherei gefragt. Das Problem dabei ist nur, dass diese Strasse und dieses Projekt nicht existieren, was die jeweilige Bibliothekarin natürlich erst nach einer Weile herausfindet nachdem sämtliche Nachschlagewerke und Internetquellen zu Rate gezogen wurden. Unsere Theorie ist, dass es aus irgendeinem Science Fiction Film kommt, wir konnten aber bis jetzt noch nicht herausfinden aus welchem.
Tja, so weit bin ich gekommen bevor meine Eltern angekommen sind und dann war ich natürlich zu beschäftigt zum Email schreiben. Aber jetzt sind sie – leider – wieder weg und ich habe ein bisschen mehr Zeit bevor der Feiertagsstress, der hier ja mit Thanksgiving etwas früher anfängt als in Deutschland, losgeht.
Inzwischen ist ja alles noch für Halloween dekoriert, aber am Samstag ist dann ganz plötzlich alles weihnachtlich mit ein paar Herbstblatt, Kürbis und Truthahn Dekorationen für Thanksgiving. Aber von derartigen Dekorationen mal abgesehen ist Thanksgiving der unkommerziellste Feiertag in Amerika. Obwohl, so ganz stimmt das nicht, denn der Tag nach Thanksgiving ist der größte Einkaufstag in Amerika. Alle Geschäfte haben Thanksgiving Sales und die Familien stürzen sich, nach einem Tag gefüllt mit Familientreffen und Truthahnvöllerei, in den Einkaufswahn. Anselm und ich vermeiden das jedes Jahr, auch wenn uns dabei gute Deals durch die Lappen gehen (die man aber meistens sowieso nur kriegt wenn man ab 4 Uhr morgens vor dem Laden Schlange steht und dann beim Einfall der Horden nicht zertrampelt wird). Apropos zertrampelt: Wir haben in unserer Bücherei ein paar Mal im Jahr einen 4-wöchigen Computerkurs für Senioren in Chinesisch. Weil meine Kollegin, die diesen Kurs hält, für mehrere Monate in Hong Kong war, war die Aufregung groß, als wir für Dezember einen Kurs angekündigt haben. Und letzten Mittwoch, dem ersten Tag an dem man sich für den Kurs einschreiben konnte, kam es doch tatsächlich zu Handgemengen unter den Senioren, die einen der 10 Plätze im Kurs ergattern wollten. Ich war an dem Tag nicht in der Bibliothek, kann also nur aus zweiter Hand berichten, aber wenn man schon mal die Senioren beim Einkaufen in Chinatown gesehen hat ist es nicht überraschend. Naja, hoffentlich gibt sich das wieder, sonst müssen wir beim nächsten Mal unsere Security Leute in Bereitschaft halten.
Also, das wäre es mal wieder. Drückt uns (und der ganzen Welt) für nächste Woche die Daumen!
Liebe Grüße!

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