Schon wieder ein neuer Job!
Und kaum ist Ostern vorbei, ist es auch schon Mitte Juli. Oder so kommt es mir zumindest vor. Ich habe zwar das Gefühl, dass es mir jedes Jahr so geht, aber dieses Jahr war es noch mehr der Fall. Als ich mich das letzte Mal gemeldet habe, hatte ich gerade meine Springerstelle als Bibliothekarin angefangen und ein neues Haustier gefunden. Tja, und jetzt ist es Juli und ich habe schon wieder einen neuen Job, wenn auch wieder keinen neuen Arbeitgeber. Glücklicherweise wurde nämlich in der Chinatown Bücherei eine zweisprachige (Englisch Chinesisch) frei, auf die ich mich natürlich prompt beworben habe. Und ich wurde sogar genommen. Oder auch nicht, denn obwohl sie mir den Job zugesagt hatten, ich den Vertrag und alles unterschrieben und mich bei der Krankenkasse und der Rentenversicherung angemeldet hatte, hing alles davon ab, ob ich den städtischen Chinesischtest bestehen konnte. Der ist zum Glück für meine Stelle nur mündlich, aber sie machen ihn praktischerweise eben nicht vor dem Vertrag, sondern irgendwann danach. Und wenn man ihn nicht besteht, erfüllt man die Qualifikationen für den Job nicht und muss also gleich wieder entlassen werden. Da ich, um den neuen Job annehmen zu können, meinen alten Job kündigen musste, hätte das also bedeutet, dass ich dann nicht nur deprimiert sondern gleich noch arbeitslos gewesen wäre. Also eine Situation, in der man ganz entspannt zu einem Test erscheinen kann, über den man offiziell keinerlei Informationen erhält. Ha ha! Ja, da tun sie nämlich ganz geheimnissvoll und verraten einem garnicht, was man in dem Test machen muss. Ich hatte schon das Gefühl, dass mir auf einmal ein paar Kerle einen Sack über den Kopf stülpen, mich in ein Auto zerren und irgendwo in die Docks von San Francisco fahren würden, wo mir dann ein städtischer Sprachentester eine Lampe ins Gesicht scheinen und mein Chinesisch testen würde. Glücklicherweise kenne ich mehrere Leute, die den Test schon gemacht haben und mir versichern, dass das gerade beschriebene Szenario nur meiner übereifrigen Phantasie entsprungen war. Ausserdem haben sie mir ein paar Tips zum tatsächlichen Test gegeben. Das war auch gut so, denn der Test hat, warum denn auch, überhaupt nichts mit Bibliotheken zu tun, da er, wie oben erwähnt, eben ein städtischer Test ist. Naja, und so bin ich dann vor ein paar Wochen mit schlotternden Knien zur Teststelle. Ausser mir saßen da nur Polizisten, weil die Stelle bis vor ein paar Wochen nur Polizisten getestet hat. Die haben mich ein bisschen komisch angeschaut und waren lange nicht so nervös wie ich. Lag wohl daran, dass sie nicht entlassen werden, wenn sie durchfallen. Der Test selber war dann nicht ganz so schrecklich, wie ich befürchtet hatte, aber auch nicht einfach. Das lag daran, dass das Vokabular bürokratiebezogen war, oder wie immer man das beschreiben mag. Und Sachen wie Sozialarbeiter oder Unterhalt, habe ich noch nie auf Chinesisch sagen müssen oder gehört. Aber glücklicherweise habe ich bestanden und also immer noch einen Job.
Jetzt muss ich nicht mehr jeden Morgen erst einmal in meinen Terminkalender schauen um festzustellen, in welche Bibliothek ich denn muss, sondern fahre jeden Tag mit der Cablecar zur Chinatownbücherei. Da bin ich im Moment immer noch dabei, die Namen von allen Kollegen zu lernen. Da es davon etwa 30 gibt und bis auf mich und noch einen Bibliothekar alle Chinesen sind, ist das garnicht so einfach. Ich zähle mich nicht zu den Leuten, die finden dass alle Asiaten gleich aussehen, aber trotzdem fallen da ein paar Unterscheidungsmerkmale weg. Wenn sich niemand die Haare färbt, wie bei mir nun mal der Fall, haben eben alle schwarze Haar und bei den Haarschnitten gibt es ein paar, die sehr beliebt sind und sich deswegen in einer Gruppe von 30 Leuten schon mal wiederholen. Naja, langsam wird es besser und aus Kevin/Simon/Warren sind zum Beispiel Kevin, Simon und Warren geworden.
Und die Arbeit macht auf jeden Fall Spass. Ich benützte jeden Tag mein Chinesisch und langsam spricht es sich schon ein bisschen herum, dass diese Langnase Chinesisch kann. Die meisten Leute in Chinatown sprechen zwar Kantonesisch, ein für mich unverständlicher sogenannter Dialekt (wenn das stimmt, dann könnte man Portugiesisch auch einen italienischen Dialekt nennen), aber viele können auch Mandarin und so kommen wir ganz gut zurecht. Und wenn nicht, kann ich immer noch meine Kollegen um Hilfe bitten. Es ist auch immer viel los, so dass es mir nicht langweilig wird. Als Springerin war ich ein paarmal in Bibliotheken, wo ich den ganzen Tag keine einzige Frage gekriegt habe und da habe ich mich dann gefragt, was ich da eigentlich tue. Da einzig blöde am neuen Job ist nur, dass ich jetzt ein Jahr Urlaubsverbot habe. Wir wollten eigentlich im November noch mal nach Europa fliegen, aber daraus wird jetzt nichts. In einem Jahr allerdings, werde ich dann bezahlt dafür, dass ich in Urlaub fahre. Das hatte ich noch nie - ich weiss, ich weiss, 36 und den ersten richtigen Job, ist schon ein bisschen peinlich - und bin schon ganz gespannt darauf zu erfahren, ob es sich anders anfühlt als ein unbezahlter Urlaub.
Dewey der Bibliothekshamster ist inzwischen schon fast dreimal so gross, wie auf dem letzten Photo. Ich finde zwar immer noch, dass sie sich wie ein haariger Goldfisch anfühlt, wenn ich sie in der Hand habe, aber jetzt fühlt man wenigstens ein bischen Gewicht, wenn sie auf einem sitzt. Im Unterschied zu Mrs. Squib, die gerne klettert und Abends meistens kopfüber von der Käfigdecke hängt (ich denke, dass in ihrem Stammbaum mal jemand einen Seitensprung mit einer Fledermaus hatte), liebt Dewey Tunnel und läuft nicht über ihrem Einstreu sondern gräbt sich unten durch. In ihrem Kopf spielt wahrscheinlich die Titelmusik vom Weissen Hai, wenn sie durch die Einstreudecke bricht und sich auf einen ahnungslosen Sonnenblumenkern stürzt.
Also, ich hoffe, ihr habt einen schönen Sommer. Bei uns ist das Wetter mal wieder typisch San Francisco. Heute morgen war bei es bei uns so neblig, dass es fast geregnet hat, und in der Innenstadt war es dann klar und sonnig. Ich sage nur, All Wetter Taft ist das Motto unserer Garderobe.
Viele liebe Grüße,
Daniela
