Was krabbelt denn da?
Tja, da bin ich kaum mit einem Bericht fertig und schon gibt es wieder genug für den nächsten. Und da ich momentan auch etwas Zeit habe, schreibe ich lieber gleich, bevor mir wieder etwas dazwischen kommt.
Die erste Neuigkeit ist, dass wir seit 3 Wochen einen neuen Hausgast haben. Und das ging dann so: Ich war am Dienstag vor 3 Wochen zum ersten Mal in der Chinatown Bücherei im Einsatz. Ich freute mich schon, vielleicht Gelegenheit zu haben, mein Chinesisch zu benutzen und mit der Cablecar in die Arbeit zu fahren. Lief auch alles wunderbar, ich sass die meiste Zeit am Informationsschalter und half Leuten mit ihren Recherchen, bis auf einmal eine Frau zu mir kam, mir einen Bleistiftbehälter entgegen hielt und meinte, dass sie das was darin war gerade in der Bücherei eingefangen hätte und was das wohl wäre. Ich wollte erst garnicht reinschauen, da ich eine Kakerlake, Riesenspinne oder sonst etwas Ekliges erwartet hatte. Aber dann habe ich doch rein geschaut und da sass da ein winzig kleines, total verschüchtert aussehendes Zwerghamsterbaby. Tja, was tun. Ich habe dem Kleinen erst einmal ein bischen Toilettenpaper zum Warmhalten gegeben und ein Stückchen Keks auf das er sich auch gleich gestürzt hat. Dann haben wir eine Ansage gemacht, ob jemand einen Zwerghamster vermisse. Da sich niemand gemeldet hat und ich dem Kleinen im Tierheim keine großen Überlebenschancen ausgerechnet habe, habe ich ihn mit nach Hause genommen. Und da ist er natürlich immer noch, weil wir es, nachdem wir ihn die ersten Tage ziemlich hochpäppeln mussten, dann doch nicht übers Herz gebracht haben, ihn ins Tierheim abzuschieben. Wir haben den Kleinen Dewey getauft, nach dem Dewey Decimal System nach dem hier die Bücher in öffentlichen Büchereien organisiert werden. Schliesslich wurde er ja in
einer Bücherei gefunden, da muss er sich mit einem bibliothekswissenschaftlichen Namen abfinden.
Die Leute in der Chinatown Bücherei meinten übrigens, dass es das eigenartigste war, was je in ihrer Bibliothek geschehen ist - nicht schlecht also für einen ersten Arbeitstag. Inzwischen war ich noch ein paar Mal da und es sind keine weiteren Hamster aufgetaucht. Anfangs hatte ich nämlich schon gedacht, dass da auch noch eine Mutter und einige Geschwister dabei sein müssten, weil Dewey erst ca. 1 Woche alt war, als ich ihn gefunden habe. Wie Dewey in die Bücherei kam, ist immer noch ein Rätsel, weil er alleine nicht weit kommen konnte.
Die Arbeit in der Bücherei ist immer noch sehr spannend und macht mir viel Spass. Man weiss nie, was das Thema der nächsten Frage sein wird und wie und ob man darauf eine Antwort finden kann. Die Fragen der letzten Wochen reichten von „Haben Sie ein Telefonbuch“ über „wie drucke ich eine Email aus“ bis „ich möchte mit der Schweinezucht anfangen, haben sie da Materialien.“ Die meisten Fragen lassen sich relativ schnell beantworten, aber bei der Schweinezucht musste ich erst eine Weile suchen, bis ich etwas halbwegs passendes gefunden habe. Am schwierigsten find ich bis jetzt aber die Hausaufgabenfragen. Viele Kinder kommen am Nachmittag nach der Schule in die Bücherei. Meistens spielen sie Computerspiele, aber viele machen da auch ihre Hausaufgaben. Und wenn sie dabei Probleme haben, kommen sie zu uns. Das Problem ist nur, dass meine Grundschulzeit inzwischen doch etwas weiter zurück liegt und sich ausserdem die Hausaufgaben ziemlich verändert haben. Und in Amerika war ich ja nicht in der Grundschule - die Fragen sind mir also noch fremder als sie es wahrscheinlich in Deutschland wären. Dazu kommt dann noch, dass die Kinder hier ihre Schulbücher nicht mit nach Hause nehmen dürfen - zu schwer und zu große Gefahr dass die Schulbücher zu Hause vergessen werden. Sie haben also nur die photokopierte Seite mit den Hausaufgaben und nicht die Seite mit dem, was sie in der Schule gelernt haben. Ein, meiner Meinung nach, recht eigenartiges System, weil so Schüler, die im Unterricht was nicht kapiert haben, keine Möglichkeit haben, das zu Hause noch einmal zu wiederholen. Und da die Schüler, die mit ihren Fragen zu mir kommen, oft überhaupt keine Ahnung haben, was sie machen sollen oder wie ein Problem zu lösen ist, scheint das System nicht besonders gut zu funktionieren. (Ich brauche mich also nicht mehr so zu wundern, wenn ständig in der Zeitung steht, wie wenig doch die Schüler in Kalifornien können und wissen.) Ich kann auch oft nur vermuten, was sie bei einer bestimmten Aufgabe machen sollen, da ich ja keine Ahnung habe, was sie an dem Tag in der Schule durchgenommen haben. Und wenn es dann noch Themen sind, mit denen ich mich nicht so gut auskenne, wie etwa Grad Fahrenheit oder das amerikanische Regierungssystem (ich weiss, ich sollte das langsam wissen, aber wenn die Aufgabenstellung dann noch blöd formuliert ist, bin ich mir da nicht mehr so sicher), dann wird es schon etwas schwierig. Aber zum Glück bin ich ja nicht alleine da und kann Problemfälle an eine/n meiner erfahreneren Kollegen/innen abgeben.
So, jetzt aber genug von der Bücherei. Ich langweile den armen Anselm schon genug damit. Was ich zu meinem Deutschlandbesuch noch nachtragen wollte, ist, dass mein derzeitiger Verzicht auf alkoholische Getränke mir neben weniger Migräne auch einige neue Getränkeerlebnisse beschert hat. So neben allen möglichen Spezi und Schorlevariationen - besonders lecker Grapefruitschorle - auch belebtes Wasser! Und zwar höchstpersönlich von einer bestimmten Person, deren Namen ich mir leider nicht gemerkt habe, belebt - zumindest laut Speisekarte der Goldenen Gans in Augsburg. Da es da ganz wunderbare Dinkelkässpätzle gibt, es es sowieso einen Besuch wert, aber das belebte Wasser, das es ganz umsonst zum Essen dazu gab, fand ich schon sehr interessant. Ich habe mich natürlich gefragt, wie diese Person denn wohl das Wasser belebt und warum es nach seiner Belebung - laut Speisekarte - so viel gesünder und besser für den Körper wäre. Da ich eine übereifrige Phantasie habe, sind mir natürlich sofort viele Möglichkeiten eingefallen, wie man dieses Wasser „beleben“ könnte und das Wasser wollte mir danach nicht mehr ganz so gut schmecken. Wieder zu Hause konnte ich dann - und ihr natürlich auch - gleich nachlesen (http://de.wikipedia.org/wiki/Belebtes_Wasser), was es mit dem belebten Wasser so auf sich hat und das war dann doch ein bischen enttäuschend. Kein Guru, der die Hand ins Wasser hält oder einmal barfuß durchläuft, sondern nur verschiedene Apparaturen. Obwohl, ganz am Ende steht dann, dass man auch einfach eine Flasche Wasser ins Vollmondlicht stellen könnte und sie so beleben kann - das fand ich dann wieder passender. Vielleicht probiere ich das beim nächsten Vollmond ja mal aus. Dann gibt es dann auch von Daniela Yew persönlich belebtes Wasser!
Also, das wäre es mal wieder.
Bis bald,
Daniela
Labels: Bibliothek, Hamster, Hausaufgaben
