Sonntag, 15. April 2007

Rot und Grün und Bibliothekare

Ich kann es kaum glauben, dass es schon/erst zwei Wochen sind, seit wir aus Deutschland zurück gekommen sind. Das klingt nach einem ziemlichen Zeitproblem ist aber einfach zu erklären. „Schon,“ weil ich fast noch den Schweinebraten schmecken kann und ich es gerade erst geschafft habe, die ganze Wäsche zu waschen. „Erst,“ weil die zwei Wochen seit unserer Rückkehr unglaublich schnell vergangen sind. Der Rückflug mit Tyrolean Air, Austrian Air und Air Canada dagegen ging garnicht schnell vorbei, aber da hatten wir auch nichts anderes erwartet. Ich war etwas enttäuscht, dass die Stewardessen der Tyrolean Air doch keine Dirndls trugen sondern nur trachtenartige Westen. Beeindruckt war ich aber, dass sie es geschafft haben uns fast schon im Landeanflug ein Essen zu servieren und die Tablets und alles andere wieder einzusammeln bevor das Flugzeug den Boden berührte. Am Wiener Flughafen mussten wir gleich 2 Mal durch die Sicherheitskontrolle und das obwohl wir ja nur umgestiegen sind. Die Flasche Wasser, die wir uns nach der ersten Sicherheitskontrolle gekauft haben, musste dann in eine spezialversiegelte Tüte, damit sie uns 10 Schritte weiter bei der 2. Sicherheitskontrolle nicht wieder abgenommen würde. Naja, lieber auf Nummer sicher und da der Flug am Gate neben uns nach Tel Aviv flog, waren wir durch einen ständig die Hand am Pistolenholster habenden Sicherheitsbeamten besonders sicher. Theoretisch jedenfalls, mich macht derartige ständige Schießbereitschaft eher nervös. Fast die gesammte Crew unseres Austrian Air Fluges bestand übrigens aus Männern in knallroten Anzügen, ganz im Gegensatz zum Hinflug mit Lufthansa, wo die Crew fast komplett aus 1,80 Meter großen, blonden Stewardessen bestand. Da die Sitze im Austrian Air Flugzeug rot und dunkelgrün waren und man uns zusätzlich noch mit gelbgrünen Decken ausgestattet hatte, war der Flug also sehr bunt. Ich weiss ja nicht, ob knallrot wirklich die beste Farbe für Flugpersonal ist (falls ihr neugierig seid, hier klicken http://www.uniformfreak.com/index2a.html). Man hört ja doch immer wieder mal von Leuten, die im Flugzeug Tobsuchtsanfälle kriegen und ich frage mich, ob die sich dann von einem knallroten Stewart beruhigen lassen. Da ist das Türkis der KLM sicher besser. Aber vielleicht war ja deswegen neben dem ganzen Rot so viel Grün im Flugzeug, der rotgewandete Stewart kann dann vielleicht sagen, „stöins earna vor sie sand im Wöid.“ Da wäre der Steward dann passend als Hagebutte oder Fliegenpilz oder sowas. Wer weiss. In Toronto mussten wir dann überraschenderweise nicht durch die kanadische Immigration, sondern durch die amerikanische, die sich, wie meistens, durch Unfreundlichkeit hervortat. Der Flug nach San Francisco war dann nur noch langweilig und lang. Und noch länger als erwartet, da eine Stewardess nicht zur Arbeit erschien (dass sie das erst bemerkt haben als wir schon im Flugzeug saßen, gibt mir zu denken) und wir eine halbe Stunde auf Ersatz warten mussten. Als der endlich auftauchte, war unsere Bodencrew gerade mit einem anderen Abflug beschäftigt und wir mussten noch einmal eine halbe Stunde bis zum Abflug warten, was einem, wenn man ohnehin kaum mehr sitzen kann, ewig vorkommt.

Aber dann waren wir endlich zu Hause und ich bin mit Jetlag aber halbwegs wach am Montag Morgen in die Arbeit. Da war ich dann überrascht, als mir ein paar Kollegen gratuliert haben. Erst dachte ich verwirrt, dass sie mir, meiner Probleme mit Greencardverlängerungen und verlorenen Geldbeuteln eingedenk, gratulierten, es ohne Probleme wieder ins Land geschafft zu haben. Dann dachte ich, dass es vielleicht ein amerkanischer Brauch ist, jemandem zur Hochzeit der Schwester zu gratulieren. Bis ich dann kapiert habe, dass sie mir zu meinem neuen Job als Bibliothekarin gratulierten, den ich während meiner Abwesenheit ganz ohne mein eigenes Zutun oder Zustimmen erhalten habe. Ist schon komisch, normalerweise ist alles super bürokratisch und man muss da erst auf eine Liste und dort erst ein Formular abgeben, bevor man sich überhaupt auf einen Job bewerben kann, aber jemanden einfach nach dem Vorstellungsgespräch einstellen, ohne dass man der Person den Job angeboten und/oder eine Zustimmung erhalten hat, geht anscheinend. Nicht dass ich den Job abgelehnt hätte - ich freue mich natürlich, dass es so schnell geklappt hat,- aber ich fand es doch etwas voreilig und für mich sehr verwirrend. Mein offizieller erster Arbeitstag im neuen Job war dann der 7. April, auch wenn ich erst am 10. richtig angefangen habe. Davor habe ich noch in meinem alten Job die Stunden aufgeholt, die mir durch unseren Deutschlandurlaub verloren gegangen sind - alles also etwas hektisch.

Mein offizieller Titel ist jetzt Librarian 1 Temporary as Needed, was heisst, dass ich Bibliothekarin der untersten Stufe bin und auch nur solange und wenn sie mich brauchen. Das bedeutet ebenfalls, dass sie mich überall dorthin schicken, wo gerade ein/e Bibliothekar/in fehlt. Ich finde das ganz spannend, da ich so alle Teilbibliotheken in unserem System besuchen und viele andere Bibliothekare kennenlernen kann. Und Arbeit gibt es anscheinend genug, da sie neben mir noch 5 andere TEANs, wie wir genannt werden, eingestellt haben. Wie gesagt, es ist alles noch ganz neu und im Moment werde ich sowieso erst noch eingearbeitet. Wobei das Einarbeiten eigentlich nur darin besteht, dass sie mich an den Informationstisch setzen und Fragen beantworten lassen. Wenn ich nicht weiter weiss, kann ich jemanden fragen, aber sonst darf ich alleine arbeiten. Ich finde das ganz gut so, denn ich hasse nichts mehr, als wenn mir ständig jemand über die Schulter schaut, auch wenn es oft gut gemeint ist. Die Benutzer der Teilbibliotheken sind nicht ganz so interessant wie die Leute in der Hauptbibliothek. Das bedeutet wahrscheinlich weniger interessante Anekdoten aus der Arbeit, aber weniger Geruchsbelästigung für mich. Und wenn der Samstag typisch war, wird es auch weiterhin Geschichten geben. Da kam nämlich ein Mann in die Bibliothek und wollte Hilfe mit dem Kopierer. Meine Kollegen hatten mich schon gewarnt, dass die Leute in dieser Teilbibliothek sich nicht gut mit Technologie auskennen und man ihnen bei vielem helfen müsse. Also bin ich mit dem Mann zum Kopierer, habe ihm gezeigt wo er die Kopierkarte reinstecken muss, die Kopiererklappe geöffnet und ihm gesagt, dass er das, was er kopieren will, auf die Glasplatte legen soll. Da gibt er mir ein Ringbuch, zeigt auf die erste Seite und sagt, die möchte er gerne kopieren. Alles schön und gut, nur war die Seite leer! Ich also nach gefragt, aber er wollte kopieren. Nach der ersten Seite haben wir die zweite Seite - ebenfalls leer - kopiert, dann war das Geld auf der Kopierkarte alle. Habe ich ihm erklärt, aber er meinte nur „mehr Kopien, ich will mehr Kopien!“ Tja und so haben wir dann insgesamt 7 Kopien aus seinem Ringbuch gemacht, alle leer. Später kam er dann wieder und wollte alles über die Gruppe Peter, Paul und Mary wissen. Zum Glück kam da eine der festangestellten Bibliothekarinnen dazwischen und zeigte mir, dass er schon einen eigenen Ordner hat, weil er ständig kommt und die gleichen Fragen stellt. Peter, Paul und Mary war aber neu und wir mussten es vom Internet ausdrucken (mit einer Kopie für den Order). Vielleicht trägt er die Informationen über Peter, Paul und Mary ja jetzt in die kopierten Ringbuchseiten ein?

Dann kamen noch ganz viele Leute und wollten Steuerformulare und Informationen zur Steuererklärung. Haben wir auch alles in der Bibliohtek. Wie man die Steuer hier selber machen kann ist mir allerdings ein Rätsel. Wir haben einen Steuerberater ohne den wir komplett verloren wären. Wenn ich mir die von ihm gemachte Steuererklärung anschaue, verstehe ich nur Bahnhof und hoffe nur, dass er es auch richtig gemacht hat. Dabei habe ich in Deutschland meine Steuer immer selber gemacht, auch als ich viel freiberuflich gearbeitet habe. Also, wenn ihr bald an euren Steuern sitzt, denkt an uns und freut euch, dass ihr in Deutschland lebt. Und nachzahlen mussten wir auch noch was!

Also, es hat uns echt gefreut, viele von euch zu sehen und bei denen, die wir nicht gesehen haben, hoffen wir, dass es das nächste Mal klappt. Oder ihr kommt uns hier besuchen, nur so als Tip, falls ihr bei der Steuer etwas zurück bekommt.

Viele liebe Grüße,

Daniela