Schon wieder Deutschland!
Nachdem wir es drei Jahre lang nicht nach Deutschland geschafft haben, kommen wir jetzt schon wieder zu Besuch. Meine Schwester hat kurz vor Weihnachten im kleinen Kreis geheiratet und im März ist die große Feier, bei der wir natürlich nicht fehlen dürfen. (Meinen wir zumindest!) Und es passt auch so ganz gut, da ich immer noch auf Jobsuche bin, bzw. die Jobsuche im Januar begonnen habe, und es nicht so aussieht, als ob ich im März schon einen Vollzeitjob haben werde. Bibliotheken, vor allem Stadtbüchereien und Universitätsbibliotheken, sind bekannt dafür, dass sie extrem lange brauchen um Bewerbungen zu bearbeiten und ich habe schon von mehreren Seiten gehört, dass ich mich nicht zu wundern brauche, wenn ich ein Jahr später eine Einladung zu einem Vorstellungsgespräch von einer Bibliothek erhalte und mich garnicht mehr erinnern kann, mich da jemals beworben zu haben. Naja, ich hoffe mal nicht, dass es ganz so schlimm wird und im Moment, wie gesagt, passt es mir ganz gut.
Wir kommen am 18. März und fliegen als Aprilscherz wieder zurück. Wir werden ein paar Tage irgendwo hin fahren, aber sonst sind wir entweder in München, bei Anselm´s Schwester, oder in Augsburg bei meiner Familie. Und wir würden natürlich gerne wieder so viele wie möglich von euch sehen.
Ende Januar hätten wir uns beinahe wieder einen Strich durch unsere Reisepläne nach Deutschland gemacht oder sie zumindest wieder zu einem bürokratischen Problem gemacht. Ich habe nämlich Ende Januar - praktischeweise am Tag vor unserer Abreise zu einem Kurzurlaub in New York - meinen Geldbeutel in der Ubahn verloren. Das habe ich dann um ca. 4 Uhr nachmittags gemerkt und da wir am nächsten Tag ganz in der Früh los mussten, brach erst einmal eine leichte Panik aus. Kredit- und EC Karten mussten gesperrt werden, wir haben das Fundbüro der Ubahn kontaktiert und sind sogar persönlich zur Fahrerzentrale gefahren, aber der Geldbeutel tauchte nicht wieder auf. Aber unsere größte Sorge war natürlich meine Greencard, die ich als Resident Alien immer bei mir haben muss und die deswegen im Geldbeutel war. Und ohne Greencard keine Reise nach Deutschland. Naja, wir sind dann erst mal nach New York geflogen. Nach der Rückkehr wieder Anrufe beim Fundbüro, aber kein Geldbeutel. Dann haben wir den Antrag für die Ausstellung einer neuen Greencard ausgefüllt, 200 Dollar gezahlt und abgeschickt und am nächsten Tag kam prompt mein ganzer Geldbeutel, zwar ohne Geld aber mit allen Karten, per Post zurück. Und, wie die Einwandererbehörde einem freundlich auf der Webseite mitteilt, für eventuell falsch gestellte oder abgebrochene Anträge werden keine Gebühren zurückerstattet. Aber gut, lieber so, als wieder so eine lange Warterei wie beim letzten Mal, das ist mir dann schon fast wieder 200 Dollar wert.
Das klingt jetzt so, als ob es ganz fürchterlich war, aber wir hatten wirklich viel Spass. Trotz der Kälte sind wir ziemlich viel in der Stadt herumgelaufen. Es ist einfach zu interessant. Man läuft irgendwo los und sieht etwas Interessantes, geht hin, sieht etwas anderes, geht in die Richtung, biegt nach da ab, sieht was in der Ferne, usw. bis man sich dann auf einmal am anderen Ende von Manhatten wiederfindet. Ich habe im Urlaub aus einem mir unbekannten Grund ständig Hunger und muss deswegen mindestens alle 2 Stunden etwas esssen. Das nervt manchmal im Urlaub etwas, war dieses Mal aber gut so, denn dann konnten wir uns wieder aufwärmen bevor wir wieder etwas Interessantes entdeckt haben und losgezogen sind. Den kältesten Tag haben wir fast komplett im Metropolitan Museum verbracht. Anselm hat gezeichnet und ich bin herumgelaufen und habe ein paar Führungen gemacht und zwischen drin haben wir uns immer mal wieder - meistens zum Essen (siehe oben) getroffen. Ganz toll fanden wir eine Sonderausstellung von Porträts aus der Weimarer Republik (Dix, Schad, Beckmann, usw.). Es war besonders interessant, weil oft die Vorzeichnungen für die Porträts, die fertigen Porträts und Photographien der Porträtierten ausgestellt waren und man so die Arbeitsweise der verschiedenen Künstler sehen konnte. Wirklich toll, aber porträtieren hätte ich mich von keinem dieser Künstler lassen wollen.
Hier noch etwas ganz anderes. San Francisco hat, wie ihr sicher schon festgestellt habt, eine ganze Menge Exzentriker. Der bekannteste (zur Zeit) ist Frank Chu, ein Chinese, der immer mit Anzug, Sonnenbrille und einem Schild durch die Stadt läuft. Auf der einen Seite des Schildes stehen Sachen wie „Impeach / Clinton / 12 Galaxies / Guiltied to a / Zegnatronic / Rocket Society“ oder „Gephardt / 12 Galaxies / Quoklochiticil detrimentations / KICU: Dichukitechal coverage / Ulkukatichol / Exchatological contemplated / Agnostics“ auf der anderen Seite oft Werbung von Sponsoren oder einmal ein Wahlslogan für einen lokalen Politiker. Wenn in San Francisco irgendwo etwas los ist, ist ganz sicher auch Frank Chu mit seinem Schild dabei. Er hat einen richtigen Fanclub und ein Nachtclub heisst 12 Galaxies in Ehren von Frank Chu. Da ist er auch oft zu finden und scheint sich ganz normal mit Leuten zu unterhalten. Also ein richtiger Prominenter. Tja und gestern Abend klingelte es auf einmal bei uns. Wir haben niemanden erwartet, aber Anselm ist runter zur Tür und wer stand davor? Kein anderer als Frank Chu persönlich mit Schild und allem, der unsere Nachbarn besuchen wollte und sich in der Klingel geirrt hatte! Ach ja, und wenn ihr jetzt neugierig seid, hier ist ein Link zum Wikipedia Artikel über Frank Chu (http://en.wikipedia.org/wiki/Frank_Chu).
Tja, das wäre es mal wieder.

