Donnerstag, 21. Dezember 2006

Fröhliche Weihnachten und einen guten Rutsch ins Neue Jahr!


Eigentlich wollte ich mich melden, bevor der Weihnachtsstress so richtig losgeht. Aber, dann hat er sich doch wieder eingeschlichen und diese Email ist zu einer Weihnachtsemail geworden. Obwohl, so schlimm ist es bei uns wirklich nicht, vor allem da ich mit meinem Bibliothekswissenschaftenstudium endlich fertig bin (dazu später mehr) und deswegen keine Seminararbeiten und sonstige Hausaufgaben vor dem Semesterende fertig geschrieben werden müssen.

Ja, ich bin endlich mit dem Studium fertig, wenn auch noch nicht offiziell im Besitz eines Master of Library and Information Science (MLIS) Abschlusses. Das wird auch noch ein Weilchen dauern, da die Abschlüsse nicht von der Fakulatät direkt, sondern vom allgemeinen Prüfungsamt kommen, das anscheinend sehr, sehr langsam und bürokratisch arbeitet. Und, wie ich gehört habe, dann mit den eigenen Akten ab und zu Fehler macht. Ich hoffe mal nicht, dass mir das passieren wird, aber einem Bekannten von mir haben sie letztes Semester mitgeteilt, dass er nicht genügend Kurse für seinen Abschluss belegt hat, was sich dann als falsch herausstellte, als sie noch einmal nachgezählt haben. Für mich bedeutet das, dass ich mich auf manche Stellen noch nicht bewerben kann, da sie da den offiziellen Abschluss verlangen, den ich bis jetzt noch nicht habe. Naja, ich hoffe, dass er im Januar kommt, vor Weihnachten mache ich mir da keine Hoffnungen mehr.

Das E-Portfolio, über das ich in der letzten Email so gejammert habe, hat ich übrigens als garnicht so schlimm herausgestellt. Es war schon viel Arbeit, alle alten Seminararbeiten noch einmal durch zu gehen und zu verbessern, vor allem weil ich mit meinem schlechten Gedächtnis, mich an manche überhaupt nicht mehr erinnern konnte. Das war dann beim Durchlesen manchmal erfreulich - was, das habe ich geschrieben? - und manchmal eher peinlich - was, das hat mir der Professor durchgehen lassen? Was wieder mal beweist, was ich schon lange vermutet habe. Nämlich, dass die Professoren an unserer Schule unglaublich faul sind und die meisten Sachen nur kurz überfliegen. Wenn ich da an manche Seminararbeiten an der LMU denke, die voller Verbesserungen, Anregungen und, in ganz seltenen Fällen, Lob zurück kamen, ist das hier schon auffällig. Die alten Hausaufgaben mussten dann geschickt auf die 14 Kompetenzen, die das E-Portfolio nachweisen sollte, verteilt werden und in der Einleitung so hingedreht werden, dass sie auch passen. Wie leicht das war, hängt ziemlich vom Betreuer ab. Meiner war zum Glück sehr nachgiebig - einer von der Sorte, die die Seminararbeiten nur überfliegen - und ich hatte keinerlei Probleme. Eine Bekannte von mir dagegen hat eine äusserst anspruchsvolle Betreuerin und ist dewegen mit ihrem E-Portfolio nicht fertig geworden.

Das Beste an diesem ganzen E-Portfoliotheater ist meiner Meinung nach, dass der Hauptgrund, den die Schule für die Einführung des E-Portfolios gegeben hat, war, dass es unglaublich nützlich und hilfreich für unsere Stellensuche nach Studiumende sein wird. Man kann seinem potenziellen Arbeitgeber den Link zum E-Portfolio schicken und die können dann gleich sehen, was für ein toller Hecht man ist - wenn sie denn Lust haben durch 14 Kompetenzen und haufenweise alte Seminararbeiten zu waten. Klingt eigentlich nicht schlecht; das Problem ist nur, dass die Schule im Januar unsere E-Portfolios von ihren Servern schmeisst und ich mir nicht vorstellen kann, dass wir alle im Januar schon einen Job gefunden haben. Und da das E-Portfolio nicht einfach eine Webseite ist, sondern total von einer speziellen Software abhängig ist, kann ich mein E-Portfolio, wenn ich denn wollte, auch nicht auf meine eigenene Webseite stellen, sondern es verschwindet im Januar einfach. Naja, ich finde das nicht so tragisch, aber es ist typisch für meine Schule, dass das was sie sagen mit der Realität oft ziemlich wenig zu tun hat.

Aber genug vom E-Portfolios und Uni, schliesslich bin ich jetzt fertig. Da es wie oben schon erwähnt nicht mehr lange bis Weihnachten ist, dachte ich mir, ich könnte euch ein bischen von den hiesigen Straßenmusikanten erzählen, die natürlich in der Weihnachtszeit in ganz besonders oft zu sehen sind. Was mir gleich aufgefallen ist, als ich nach San Francisco umgezogen ist, war, dass die peruanischen oder sonstigen lateinamerikanischen Gruppen mit ihren Panflöten und Trommeln anscheinend ein europäisches Phänomen sind, denn die sieht man hier so gut wie überhaupt nicht, obwohl wir ja eigentlich viel näher am Südamerika wären. Leute in Silber oder Gold, die auf einem Podest stehen und sich nicht bewegen, gibt es dagegen sowohl in Deutschland als auch in Amerika. Eine wahrscheinlich nur in San Francisco zu findende Variante, ist der sogenannte Bushman. Der sitzt in der Nähe von Fisherman`s Warf hinter ein paar Zweigen versteckt und wenn Touristen vorbeigehen, springt er hervor und schreit Buh! Die meisten Leute lachen dann, aber er ist schon mehrmals verklagt worden, weil Leute sich angeblich so erschreckt haben, dass sie emotionalen Schaden davon getragen haben. Bis jetzt hat er aber immer gewonnen und hat hier in der Stadt einen kleinen Fanclub.

Dann gibt es natürlich die - ich nehme mal an - Musikstudenten, die gleichzeitig üben und sich ein bischen Geld dazuverdienen können. Meistens spielen sie wirklich gut, obwohl wir das letzte Mal an einem Violine und Cello Duo vorbeigelaufen sind, die derartig miespetrig auf ihren Instrumenten herumgesägt haben, dass ich mich wirklich gefragt habe, was sie da machen.

Die Gruppe Straßenmusikanten, die ich am faszinierendesten finde, sind allerdings die - auch eher typisch für San Francisco, - die eigentlich garnicht spielen können. Die Ubahnhaltestelle in der Nähe von meiner Arbeit ist bei diesen Straßenmusikanten besonders beliebt, deswegen komme ich mindestens einmal pro Woche in den Genuss dieser musikalischen Darbietungen. Da ist zum Beispiel der alte Mann, der Blockflöte spielt. Manchmal spielt er ziemlich gut, aber meistens bläst er nur auf gut Glück hinein. Das gleiche tut nicht nur ein, sondern gleich zwei Schifferklavierspieler, zum Glück nie zusammen. Aber der Musikant, der mich am meisten fasziniert, spielt Geige. Wenn man es nur hört, würde man nie sagen, er spielt, weil er mit seinem Bogen einfach nur wild über die Saiten säbelt und es einfach nur fürchterlich klingt. Aber, er hat immer selbst geschriebene Noten vor sich - in einem selbsterfundenen System - und ich frage mich manchmal ob es nicht doch Musik ist. Ich meine, wie die Zwölftonmusik aufkam, haben die Leute ja auch bestritten, dass es sich dabei um Musik handelt und nach einem Konzert auf dem wir vor einigen Monaten waren, muss ich zugeben, dass mir da auch Zweifel kamen. Wenn ihr jetzt neugierig seid, müsst ihr mich nur besuchen kommen und ich nehme euch zu einem „Konzert“ mit.

Ach ja, was ich noch sagen wollte: Wenn alles so klappt, wie ich mir das ausgedacht habe, ist das, was ihr hier lest ein Blog. Es ist einfacher so und ich muss nicht jede Email für meine Webseite umformatieren. Und ich kann Bilder, wie die Weihnachtskarte hier einfach in das Blog stellen und ihr müsst es nicht extra herunterladen. Bin ja mal gespannt!

Also, fröhliche Weihnachten und viel Glück im Neuen Jahr,

Eure Daniela