Neue Zürcher Zeitung vom 28. März 2002 / Feuilleton
Ellery Eskelin: Avantgarde und Tradition
Seit mehr als einem Jahrzent ist er ein Geheimtipp. Ellery Eskelin, 1959 in Wichita,
Kansas, geboren, gehört zu den interessantesten Jazzpersönlichkeiten unserer Zeit.
Mit einen voluminösen Ton, der an Jazzlegenden wie Gene Ammons und Illinois Jacquet
erinnert, mäandert der Tenorsaxophonist zwischen Tradition und Avantgarde, zwischen
Swing und New Thing. Mit der pfiffigen Akkordeonistin und Pianistin Andrea Parkins
und dem agilen Drummer Jim Black musiziert Eskelin schon sei 1994.
Die 12 kurzen Teile der Suite "Imaginary Views" bilden Stationen auf einer Reise
durch alle möglichen Stile und Stimmungen, von der radikalen freien Improvisation
bis hin zu energetischen, repetitiven Rock-Mustern. Manchmal klingt die Musik
des traumwandlerisch eingespielten Trios wie ein imaginärer Soundtrack. Aus dem
Nebel tauchen unverhofft Motive auf, die ebenso schnell wieder aufgelöst werden,
es entstehen Stimmungen, die sogleich wieder zerfallen. Ganz am Schluss dieses
erreignisreichen Hörabenteuers machen sich die drei in sehr eigenwilliger Weise
an Thelonious Monks "Oska T" und zeigen dabei, dass sie mit allen Wassern gewaschene
Jazzer sind. Nick Liebmann
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