StadtRevue 5/98 p. 143

Wird der New Yorker Ellery Eskelin der nächste Star des Jazz? Nach Erscheinen von >>One Great Day...<< vor einigen Monaten gab es sofort ausführliche Interviews, namhafte Kritiker jubelten, das americkanische Magnet brachte von ihm ein seitengroßes Photo (einfach so), auf dem er an seinem Tenorsax lutschend über die Straße läuft. Ich muß zugeben, Eskelin fiel mir bislang kaum auf: ein Album hier, ein Gastspiel da - eher lauwarmer Modernismus. Aber mit dieser CD und allem: mit dieser Gruppe (die auch unter >>Jazz Trash<< läuft) hat er eine brisante Mischung destilliert, mit der er den Jazz-Mainstream infiltrieren und sich in dieser wertkonservativen Hölle bewähren könnte. Und das geht so: Er greift die extremen Formexperimente der New Yorker Downtown-Szene auf und taucht sie tief in jazzigen Sirup. Diese Melange kommt sehr organisch rüber - die unmerklichen Übergänge von komplexen Themen und freien Soli soll mal einer nachmachen! Andererseits entfalten die überspielten Brüche eine regelrechte Tiefen wirkung. Der Flow der Gruppe hat einige nervöse Strömungen, soundlastige Passagen (Jazz-Ambient!) werden nach oben gespült. Auch wenn die Musik ölig groovt, erfordert sie quecksilberschnelles Reaktionsvermögen. Grandios, mit welcher Unkompliziertheit die Musiker zu Werke gehen. Eskelin bläst einen vollmundigen Sound, Andrea Parkins bedient Samplerkeyboard (!) und Akkordeon (!!) mit emotionaler Intelligenz, und Jim Black erweist sich, wie immer, als das explosive, virtuose Schlagzeugwunderkind, auch wenn er schon über 30 ist.



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